Gerry-Weber-Vorstandschef Ralf Weber wechselt in den Aufsichtsrat

Ralf Weber

Das Traditionsunternehmen aus Nordrhein-Westfalen stellt sich neu auf – und bekommt einen neuen Chef. Der Vorstand wird um einen neuen Posten erweitert.

Düsseldorf. Der Modehersteller Gerry Weber hat einen Umbau des Vorstands und die Neuausrichtung des Unternehmens beschlossen, teilte der Konzern am Dienstagnachmittag per Ad-Hoc-Mitteilung mit. So wird der Vorstandsvorsitzende Ralf Weber auf eigenen Wunsch Ende Oktober von seinem Mandat entbunden und wechselt in den Aufsichtsrat des Konzerns.

„Mit Ralf Weber werden wir im Vorstand einen Unternehmer mit Herz und hoher emotionaler Bindung an Gerry Weber und die gesamte Region verlieren“, kommentierte Ernst F. Schröder, Vorsitzender des Gerry-Weber-Aufsichtsrates. Er habe „in einer sehr schwierigen Zeit große Verantwortung übernommen“, so Schröder weiter. Vorstandssprecher wird nun der bisherige Vertriebschef Johannes Ehling, der bislang auch für die Digitalisierung im Konzern zuständig war.

Neu in den Vorstand rückt Florian Frank auf. Dieser soll die Hauptverantwortung für die Restrukturierung des Unternehmens übernehmen. Damit wird der Vorstand um einen neuen Posten erweitert. Frank war zuvor bei verschiedenen Unternehmensberatungen tätig gewesen. Seine Berufung ist bis zum 31. Dezember 2019 befristet.

Der Modekonzern aus Nordrhein-Westfalen kämpft seit mehreren Jahren mit sinkenden Gewinnen – entsprechend empfindlich reagieren die Aktionäre auf Nachrichten aus dem Konzern.

Erst in der vergangenen Woche brach die Aktie des Unternehmens binnen eines Tages um rund 20 Prozent ein, als Gerry Weber bekannt gab, externe Hilfe bei der Sanierung in Anspruch nehmen zu wollen. Dabei soll die Zukunftsfähigkeit des Konzerns beleuchtet werden. Das Gutachten soll bis Mitte Oktober vorliegen.

Auch die jüngsten Geschäftszahlen sorgen für wenig Freude. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres sank der Umsatz um 11,4 Prozent auf 170 Millionen Euro. Das Ebitda, das Ergebnis vor Berücksichtigung von Zinsen, Steuern und Abschreibungen, brach massiv von plus 6,1 Millionen Euro auf minus 1,3 Millionen ein.

Ob der anstehende Konzernumbau bei den Anlegern gut ankommt, wird sich am Donnerstag zeigen – dann wird die Gerry-Weber-Aktie wieder gehandelt. Momentan steht sie bei 2,68 Euro. Allein seit Jahresbeginn hat das Papier 71 Prozent verloren. Noch bedrückender fällt der Blick auf die jüngere Vergangenheit aus: Zu ihren Glanzzeiten im Jahr 2014 kostete ein Anteilsschein des Traditionsunternehmens rund 39 Euro.

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