Vergütung: Ein neues Wir-Gefühl statt individueller Bonuszahlungen

Boni für Einzelleistungen

Unternehmen verabschieden sich zusehends von Boni für Einzelleistungen. Statt Ego-Boost gibt es Anerkennung für Teamleistung – wenn auch nicht in allen Bereichen.

Am Ende eines jeden Jahres, sagt Rainer Voss, sei es nur darum gegangen, „möglichst weit oben auf dem Pavianhügel zu sitzen“. Voss, 59, graues Haar, Brille, war bis 2007 Investmentbanker. Er hat unter anderem für die Dresdner Bank und die Deutsche Bank gearbeitet. Nach der Krise hat er der Branche den Rücken zugewandt. Heute lebt Voss als Privatier im Rhein-Main-Gebiet. Ab und zu hält er Vorträge vor Studenten oder Personalberatungen. In einem davon geht es darum, ob Geld den Charakter verdirbt – oder eben nicht.

In Spitzenjahren, so erzählt der Ex-Banker, habe er das Achtfache seines Jahresgehalts als Bonus erhalten. Das meiste davon in Aktien, ein kleinerer Teil Cash. Irgendwann sei es für ihn egal gewesen, wie viel Geld er jedes Jahr obendrauf bekam. „Hauptsache, man hatte mehr als der Typ drei Tische weiter.“ Ob er gierig gewesen sei? „Sicher“, sagt Voss. „Aber nicht nach Geld, sondern nach Anerkennung.“ So stellt man sie sich vor, die Welt der Bankerboni.

Dass sich diese Welt zumindest langsam verändert, konnte man kürzlich im Intranet der Commerzbank nachlesen. Was die Bank dort mit vielen Tabellen unter „Neues Vergütungsmodell für AT-Mitarbeiter“ vorstellte, glich einer kleinen Revolution. Der Plan: Ab 2019 will die Commerzbank ihr Bonussystem vereinheitlichen. Klassische Einzelboni gibt es dann für einen Großteil der außertariflich Beschäftigten nicht mehr.

Nur ein Großteil der Investmentbanker des Geldhauses kann weiterhin ordentlich dazuverdienen. Für alle anderen zählt künftig die Leistung des Gesamtunternehmens sowie des eigenen Geschäftsbereichs.
Das alte System sei „ineffizient“ und „intransparent“ gewesen, bot „Raum für willkürliche Entscheidungen“. So wird der Betriebsratschef auf der Mitarbeiterplattform zitiert. Eine Bank erklärt den klassischen Bonus für gescheitert. Die Geschichte hätte sich vor der Krise wohl kaum jemand ausdenken können.

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