Warum der neue Großaktionär Metro für „undermanaged“ hält

undermanaged

Nach Ansicht des tschechischen Investors Daniel Křetínský wird der Handelskonzern unter seinen Möglichkeiten geführt. Bei der Besetzung von Aufsichtsrat und Vorstand will er künftig mitreden. Für Vorstandschef Olaf Koch könnte es eng werden.

Das Zentrum von Daniel Křetínskýs Milliardenreich liegt direkt unter der Dachschräge, in einem Raum, feudal wie eine Besenkammer, im sechsten Stock eines Prager Gründerzeitbaus. Eine Handvoll Sessel und ein Schreibtisch füllen das Zimmer fast komplett aus. Als Capital im November 2017 zu Besuch ist, ist die blitzblank polierte Tischplatte leer. Nur ein gerahmtes Foto seines Sohnes deutet darauf hin, dass hier Křetínský arbeitet – und ein echtes Gemälde des Expressionisten Oskar Kokoschka neben der Tür, das der Kunstsammler vor einiger Zeit erworben hat.

Der Raum ist für Besucher normalerweise tabu. Von hier dirigiert Milliardär Křetínský eines der größten und am aggressivsten wachsenden privaten Firmenimperien in Mittel- und Osteuropa. Mit seiner Gruppe kontrolliert der 43-jährige Unternehmer Gaspipelines und -speicher in der Slowakei, Kohle- und Gaskraftwerke in mehr als einem halben Dutzend Länder, ein Medienhaus um Tschechiens auflagenstärkste Boulevardzeitung und französische Magazine – sowie den Fußballclub Sparta Prag. Darüber hinaus kauft er sich gerade groß in die französische Presse ein: bei Magazinen wie „Elle“ und „Marianne“ sowie aktuell auch bei der Tageszeitung „Le Monde“.

Auch in Deutschland hat der verschwiegene Investor, der sich für ungestörte Urlaubsreisen einen Anteil an einer Malediveninsel zugelegt hat, bereits zugeschlagen – ohne dass sein Name bislang vielen ein Begriff war. Selbst als seine Energieholding EPH 2016 das ostdeutsche Braunkohlegeschäft des Versorgers Vattenfall schluckte und so auf einen Schlag zum drittgrößten Stromproduzenten in Deutschland aufstieg, blieb Křetínský unter dem Radar einer breiteren Öffentlichkeit.

Doch nun beginnt der Mann aus dem Prager Dachgeschossbüro, dessen Vermögen das US-Magazin „Forbes“ auf 2,6 Mrd. Dollar schätzt, den deutschen Handelsriesen Metro zu schlucken. Ende August haben Křetínský und sein langjähriger slowakischer Geschäftspartner Patrik Tkáč 7,3 Prozent der Metro-Stammaktien vom bisherigen Metro-Großaktionär Haniel gekauft, auf das restliche 15,2-Prozent-Anteilspaket des Familienunternehmens haben sie eine Kaufoption ausgehandelt. Buchwert des gesamten Haniel-Pakets: rund 970 Mio. Euro. Auch knapp neun Prozent der Metro-Anteile der Elektronikkette Ceconomy hat sich das Investorenduo gesichert, sodass es nun jederzeit auf mehr als 30 Prozent der Anteile zugreifen kann. Spekulationen über eine Komplettübernahme des im MDax notierten Konzerns ließen den Kurs der lange geprügelten Metro-Aktie im Sommer bereits steil nach oben schießen. Was also haben die beiden Selfmade-Milliardäre mit dem Großhändler vor?

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