Vorstandsgehälter: Warum Aufsichtsräte bei der Managervergütung oft ahnungslos bleiben

Vorstandsvergütung

Investoren mischen sich immer stärker in die Vorstandsvergütung ein. Die Aufsichtsräte wissen aber oft nicht, was die Geldgeber genau wollen.

Aufsichtsräte deutscher Konzerne haben das Jahr 2017 in schlechter Erinnerung. Investoren probten den Aufstand, reihenweise wurden Kontrolleure auf den Hauptversammlungen nur knapp oder gar nicht entlastet, Vergütungspakete für Vorstände fielen durch. Konzerne wie Beiersdorf, Continental, RWE, Merck, Münchener Rück und SAP scheiterten am Votum ihrer Eigentümer oder mussten zumindest eine schwere Schlappe einstecken.

Unter den 30 wichtigsten Dax-Konzernen brach die Zustimmung zu Vergütungskonzepten auf nie da gewesene 66 Prozent ein. Und in diesem Jahr schossen sich die Kritiker auf Adidas, BASF und BMW ein. Entnervt klagte Münchener-Rück-Chefaufseher Bernd Pischetsrieder einmal öffentlich über die „Missachtung“ der Aufsichtsgremien.

Deutsche Unternehmen sehen sich mit vehementen Forderungen ihrer Eigentümer konfrontiert. Das Problem dabei ist nur: Die Aufsichtsräte wissen oft gar nicht, was die Investoren genau von ihnen wollen.

Eine neue Untersuchung fördert Erschreckendes zutage: Die Hälfte der Investoren und Stimmrechtsberater veröffentlicht keine oder nur unzureichende Anforderungen für die Vorstandsvergütung; in 70 Prozent der Abstimmungsrichtlinien fehlen Informationen, nach denen sich die Unternehmen konkret richten könnten, etwa um Boni zu berechnen.

Und wie die Investoren auf der Hauptversammlung abstimmen, ist geradezu erratisch. Michael Kramarsch, Partner der Vergütungsberatung HKP, sieht „erhebliche Defizite“ und vergibt deshalb ein „ungenügend“ in der Gesamtwertung.

Die Beraterfirma hat gemeinsam mit Professor Michael Wolff von der Universität Göttingen und dem Deutschen Investor Relations Verband (DIRK) 40 der wichtigsten Investoren im Dax analysiert, dazu die Stimmrechtsberater International Shareholder Services (ISS) und Glass Lewis.

Die Geldgeber und ihre Berater („Proxy-Advisors“) nutzen die Abstimmungen über Vergütungssysteme („Say on Pay“), um Druck auszuüben. Das Ergebnis der Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt: „Investoren erwarten von den Unternehmen, ihren Vorstellungen zu folgen, ohne diese aber vorab hinreichend transparent zu machen.“

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