Werte schaffen Wert

Wert

Investoren handeln selten selbstlos. Sie erwarten, dass sich wertorientiertes und nachhaltiges Handeln langfristig finanziell lohnt.

Große Investoren treffen ihre Anlageentscheidungen zunehmend nicht nur nach dem wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens, sondern achten auch auf verantwortungsvolle Unternehmensführung. Sie erwarten unternehmerisches Handeln im Einklang mit Gesetzen, Richtlinien, Kodizes und Satzungen (neudeutsch Compliance) sowie mit moralischen Werten. Im Zentrum steht dabei die Übernahme von Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Gesellschaft, einschließlich Umwelt- und Klimaschutz – zusammenfassend auch Nachhaltigkeit genannt. Erst jüngst haben sich namhafte Investoren dazu geäußert: der Vermögensverwalter Blackrock, die Schweizer Bank UBS und Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. Letztere kündigte an, mittelfristig fast das gesamte verwaltete Vermögen nachhaltig anzulegen.

Investoren sind keine Altruisten. Sie erwarten, dass sich verantwortungsvolles, wertorientiertes Handeln langfristig monetär auszahlt. Das liechtensteinische Technologieunternehmen Hilti liefert ein Beispiel für diesen Effekt guter „Corporate Governance“. Ausgehend von einer Bau- und Ertragskrise in den 1980er-Jahren, hat Hilti ein besonderes Trainingsprogramm entwickelt. Angefangen von der Konzernspitze durchläuft die gesamte Belegschaft alle zwei Jahre zweitägige Trainings zu zentralen Werten des Unternehmens. Essenziell ist dabei der Praxisbezug: Die Werte werden in Zusammenhang zur aktuellen Geschäftsentwicklung gestellt. Dieses Programm lässt sich das Unternehmen jährlich 10 bis 15 Millionen Franken kosten. Der Lohn ist eine hervorragende Eigenkapitalrendite von 20 Prozent.

So gut läuft es nicht immer. „Unsere Leistungskultur muss gleichermaßen auch eine Kultur der Verantwortung sein. Unternehmerische Verantwortung bedeutet für uns, Wert mit Werten zu schaffen. Wert, von dem alle unsere Interessengruppen – unsere Kunden, Mitarbeiter, Anleger und die Gesellschaft – profitieren.“ Das schrieb 2012 die Deutsche Bank in ihrem Geschäftsbericht, nachdem Josef Ackermann den Vorstand verlassen hatte. Drei Jahre später, nach dem Libor-Skandal, trat der Nachfolger Anshu Jain vom Vorstandsvorsitz der Bank zurück. Die Eigenkapitalrendite lag in dem Jahr bei rund minus zehn Prozent.

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