BMW-Vorstand: Der falsche Wechsel

Harald Krüger

Aufsichtsräte in Deutschland sind ein Hort der Gestrigen. Jüngstes Opfer ist BMW-Vorstandschef Harald Krüger.

Der Abgang von Harald Krüger als Vorstandsvorsitzender von BMW ist eine Schande für den Standort Deutschland. Aber er ist kein Einzelfall. Er hat sogar große Gemeinsamkeiten mit dem von Christoph Franz, dem Ex-Chef der Lufthansa, und dem von Wolfgang Büchele, der einst Linde führte.

Alle drei hatten es mit ganz unterschiedlichen Herausforderungen zu tun. Aber sie wurden alle kontrolliert von alten Herren, die zuvor selbst die Geschicke ihrer Unternehmen mitbestimmt hatten. Und die nicht loslassen konnten.

Wenn frühere Vorstandsmitglieder oder gar -chefs später den Aufsichtsrat leiten, birgt das eine gewaltige Gefahr für einen Großkonzern. Am Ende kann es sogar noch gefährlicher sein (und teurer werden) als das angebliche Missmanagement der Geschassten.

Nehmen wir BMW: Dort hatte Norbert Reithofer noch 2013 mit Milliarden Euro und viel Bohei ein Elektroauto eingeführt – den i3. Er floppte zunächst. Das Auto kam zu früh und war zu aufwendig konstruiert. Zu wenige Tankstellen und zu hohe Dieselsubventionen trugen entscheidend dazu bei, dass sich das Auto nicht am Markt durchsetzte. Ausbaden durfte die Misere Reithofers Nachfolger Krüger – während Reithofer selbst an die Spitze des Aufsichtsrats wechselte und über die Strategie befand.

So etwas kann nicht gut gehen, und deshalb trägt Reithofer eine gehörige Mitschuld daran, dass Krüger im Rückblick als zu blass und wankelmütig in Erinnerung bleiben wird. Wie soll ein Vorstandschef die Kehrtwende einer Strategie einfordern, die sein Vorgänger verantwortet? Ein Vorgänger zudem, der ihn kontrolliert und der seine Vertragsverlängerung als Vorstand unterzeichnen soll?

Krügers Bilanz kann sich durchaus sehen lassen.

Auf ZEIT ONLINE weiterlesen…