Corporate Governance aktuell – Meine Meinung zum Kodex-Entwurf

Der Vorsitzende der Regierungskommission, Rolf Nonnenmacher, hat am Dienstag den Entwurf für einen neuen Kodex vorgestellt. Und tatsächlich: Wenn die Vorschläge Realität werden, wäre das Regelwerk – wie angekündigt – „klarer und kompakter“.

Allerdings hätte ich mir mehr Mut gewünscht: Der Entwurf ist trotz der Kürzungen noch immer kleinteilig und besteht aus Dutzenden Grundsätzen und Empfehlungen, die auf 13 DIN-A4 Seiten daherkommen. Darunter sind weiter etliche Selbstverständlichkeiten und starre Vorgaben.

Dieses enge Korsett würde auch in Zukunft einen formalistischen Habitus fördern: Verantwortliche haken ab, statt darüber zu diskutieren, wie sie Corporate-Governance-Prinzipien in ihrem Unternehmen am besten umsetzen können. Ich bin aber überzeugt: Solche Diskussionen sind der Schlüssel zu einer neuen, besseren Corporate-Governance-Kultur.

Wir brauchen eine umfassende Reform

Ich plädiere deshalb weiterhin für größere Spielräume auf Basis klarer, prägnanter Prinzipien, wie ich sie mit dem KODEX2018 vorgeschlagen habe. Das würde Aufsichtsräte und Vorstände in die statt aus der Verantwortung nehmen und die Corporate Governance entscheidend voranbringen.

Meine Mitstreiter bei VARD und ich werden den Kodex-Entwurf in den nächsten Wochen genau analysieren – insbesondere mit Blick auf starre Vorgaben. Womöglich gelingt es ja im Konsultationsverfahren, das Regelwerk wenigstens ein Stück weit klarer, kompakter und praxistauglicher zu machen, als es der Entwurf vorsieht.

Auch das würde aber nichts an der Tatsache ändern, dass wir dringend über die Kodex-Kommission, ihre Legitimation und damit eine grundlegende Corporate-Governance-Reform diskutieren müssen, wie ich es in meinem offenen Brief an Bundesjustizministerin Katharina Barley gefordert habe. Denn was bringt uns ein neuer Kodex, wenn das zugrundeliegende System gravierende Schwächen hat.

Editorial von Peter H. Dehnen -> Zur Person.