Digitale Transformation, Klimaschutz, Wirtschaftskrieg: Wie wir eine unternehmens- und stakeholderfreundliche Corporate Governance gestalten können.

Gestaltung

Liebe Leser der GermanBoardNews,

während wir dieser Tage mit einem Auge nach Davos schauen, hat Larry Fink von BlackRock seinen berühmt-berüchtigten jährlichen CEO-Brief bereits verschickt. Auch wenn dort von einem „fundamental reshaping of finance“ die Rede ist, dürfte der angekündigte ‚Swing‘ in Richtung Nachhaltigkeit niemanden wirklich überraschen. Und auch das Thema Klimawandel sollte mittlerweile jeder zumindest in Grundzügen verstanden haben.

Man fragt sich dann allerdings, warum sich gerade Siemens bei einer solch übersichtlichen Themenlage im Umgang mit ‚Fridays for Future’ eine blutige Nase holt. Fehleinschätzung oder Selbstüberschätzung? Immerhin haben es die Kommunikationsexperten geschafft, dass man nur über das Mini-Business in Australien und nicht auch über die Siemens-Aktivitäten in Indien und China redet.

Nota bene: Wie würden Sie handeln, wenn morgen Klima-Aktivisten bei Ihnen anklopfen? Sind Sie vorbereitet?

Wissen Sie, wie Ihre Stakeholder ticken?

Die Debatte zeigt im Übrigen eindrucksvoll, dass es bei Corporate Governance nur vordergründig um transparente Organisationsstrukturen, Gewaltenteilung und Formalismus geht. Tatsächlich (und im wirklichen Leben) geht es um Stakeholder-fokussierte Entscheidungsprozesse und vor allem: Kommunikation, Kommunikation und Kommunikation.

Wer gute unternehmerische Entscheidungen treffen will, muss  sein Ökosystem und die Erwartungen sowie Forderungen seiner Stakeholder (sehr) gut  kennen und in die Entscheidungsprozesse und sein Handeln einfließen zu lassen. Wer das nicht schafft, gerät – früher oder später, aber jedenfalls zwangsläufig- in eine Verteidigungs- und Rechtfertigungsposition. Er läuft Gefahr, dass er von seinen Stakeholdern – einzeln oder gemeinsam – abgestraft wird.

Niemand hat ein Patentrezept!

Diese neue Komplexität der Unternehmensführung erscheint vielen CEOs und Aufsichtsräten noch fremd. Da kämpfen sie noch mit der Herausforderung Digitalisierung und spüren ihre Ohnmacht beim Thema Cybersicherheit – und schon rücken die nächsten Jahrhundertthemen Klimawandel und Nachhaltigkeit ganz oben auf die Agenda (gar nicht erst zu reden von den Wirtschaftskriegen und der Herausforderung China).

Die Messlatte für erfolgreiche Unternehmensführung und -überwachung hat sich damit plötzlich und deutlich spürbar nach oben verschoben.  Deshalb ist es höchste Zeit, dass wir aufhören, uns mit der Vergangenheit und Formalismen zu beschäftigen. Wir sollten stattdessen gemeinsam den Blick mutig nach vorne richten. Ich werde nicht müde, mich zu wiederholen: wir brauchen mehr Dialog und offenen Gedankenaustausch. Denn niemand hat ein Patentrezept.

Die VARD-Initiative #FutureGoodGovernance weist hier den Weg. Der nächste Deutsche Aufsichtsratstag am 4./ 5. Mai 2020 sollte eine ‚Muss’- Veranstaltung für jeden verantwortungsbewussten Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsratsvorsitzenden sein. Unter dem Titel „Die neue Generation geht an den Start!“ widmen wir uns  der Gestaltung einer gleichermaßen unternehmens- wie stakeholderfreundlichen Corporate Governance.

Ich würde mich sehr freuen, Sie dort begrüßen zu können.

Ihr

Peter H. Dehnen

 

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