Die Corona-Krise legt Governance-Schwächen schonungslos offen – und hat das Potenzial zum Reformkatalysator. Aber jetzt gilt erstmal: Bleiben Sie gesund!

Corona-Krise

Liebe Leser der GermanBoardNews,

die Corona-Krise hat auch uns voll erwischt: Wir haben uns schweren Herzens entschieden, den Deutschen Aufsichtsratstag Anfang Mai abzusagen bzw. auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Ich bin sicher, Sie verstehen und unterstützen das – Gesundheit hat im Moment absolute Priorität, und jede/r Einzelne ist gefordert, seinen Beitrag zu leisten und Solidarität mit den Alten und Kranken in unserer Gesellschaft zu zeigen.

Auch im Arbeitsalltag verzichten wir bis auf Weiteres auf sämtliche sozialen und beruflichen Kontakte, die nicht unbedingt notwendig sind. Deshalb gehen wir in einen Corona-Modus: Die nächste Ausgabe erscheint nicht notwendigerweise in zwei Wochen, sondern fällt womöglich aus oder erscheint später – ggf. in abgespeckter Version. Wir wollen uns jetzt die Freiheit nehmen, kurzfristig zu entscheiden, was möglich und sinnvoll ist (und uns notfalls um andere Dinge kümmern).

Die Krise ist auch eine Chance

Sie dürfen aber sicher sein, dass wir weiter genau beobachten, was passiert. Denn herausfordernde Zeiten sind auch spannende Zeiten, und schon jetzt kündigt sich an: Die Krise wird Corporate-Governance-Probleme schonungslos offenlegen – und kann deshalb zum Reform-Katalysator werden.

So bieten die abgesagten bzw. verschobenen Hauptversammlungen die Chance zu einer grundlegenden digitalen Reform der Aktionärstreffen, die sich zudem zu Stakeholder-Versammlungen weiterentwickeln müssten. Zugleich beschleunigt der Trend zu Home-Office und eigenverantwortlichen Arbeiten in vielen Unternehmen einen überfälligen Kulturwandel.

Und der Ruf nach Staatshilfen wirft ein neues Licht auf Aktienrückkäufe und hohe Dividenden-Ausschüttungen: Zu wie viel Solidarität sind Unternehmen und ihre Entscheider fähig – und wann wird selbige kontraproduktiv? Was passiert, wenn Unternehmen großflächig keine Dividenden zahlen? Führen Staatshilfen zu Verstaatlichungen – und ginge es auch anders?

Über diese und weitere Fragen wird in den kommenden Wochen lebhaft diskutiert werden. Noch nie war Corporate Governance so aktuell und lebendig wie heute, und noch nie waren Aufsichtsrat und Vorstand – gemeinsam – so gefordert wie heute.

Wie wünschen allen Entscheidern Kreativität, Mut, Ausdauer, Solidarität, Angstfreiheit, Empathie – und vor allem Gesundheit!

 

Mit herzlichen Grüßen
Ihr
Peter H. Dehnen

 

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