Die Gewerkschaften schalten sich in die Corporate-Governance-Diskussion ein. Ist das der Auftakt für echten Dialog?

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Liebe Leser der GermanBoardNews,

nach dem Wirecard-Skandal diskutieren (endlich!) alle über Corporate Governance, und auch die Arbeitnehmervertreter haben sich nun eingeschaltet: Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) forderte in dieser Woche eine „Neujustierung der Konfliktlösung in den Aufsichtsräten“.

Dahinter verbirgt sich die Idee, umstrittene strategische Entscheidungen „in einem Mediationsverfahren mit neutralem Schlichter zu fällen“ – und nicht mehr durch das Doppelstimmrecht des Aufsichtsratsvorsitzenden. Das soll etwa für Sitzverlagerungen ins Ausland, Fusionen, Werksschließungen oder „Massenentlassungen“ gelten.

Zunächst: Ich begrüße ausdrücklich, dass sich die Gewerkschaften in die #FutureGoodGovernance-Diskussion einschalten. Denn die Mitbestimmung gehört zu den Pfeilern unseres Governance-Systems und der Sozialen Marktwirtschaft. Zudem bin ich überzeugt, dass wir nach Wirecard dringender denn je einen (ergebnis-)offenen Dialog aller Beteiligten brauchen.

Wie realistisch sind schnelle Schlichtungen?

Ich warne deshalb von reflexartiger Ablehnung, erlaube mir jedoch die Frage: Wie groß ist die Gefahr, dass die Mediation Entscheidungen von existentieller Bedeutung in die Länge zieht? Verzögerungen können fatale Folgen haben – gerade in Zeiten eines rasanten technologischen und gesellschaftlichen Wandels, in denen schnelles Handeln wichtiger denn je ist.

Wenn Aufsichtsräte von Vorständen „Agilität“ fordern, kann und darf es meines Erachtens nicht sein, dass sie selbst anschließend für Verzögerungen sorgen. In einem Dialog auf Augenhöhe müssten wir deshalb diskutieren, ob schnelle Schlichtungen realistisch sind, wie sich existenzgefährdende Blockaden verhindern lassen und wie wir unternehmerischen Freiheiten wahren (siehe dazu auch unser Kommentar zum Fall Metro).

Zudem müssten auch Gewerkschaften bereit sein, über Vorschläge zu diskutieren, die sie reflexhaft meiden. Dazu gehört die Förderung der betriebswirtschaftlichen Kompetenz von Arbeitnehmervertretern genauso wie die Weiterentwicklung von Mitbestimmungs- zu Miteigentumsmodellen. Zu einem solchen Dialog steht die Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland gerne bereit.

 

Herzlichst

Ihr Peter H. Dehnen (Herausgeber)