Petrus Advisers vs. Aareal Bank: Turbokapitalismus mit menschlichem Antlitz?

Liebe Leser*innen der GermanBoardNews,

es erinnert frappierend an die Eskalation des Konflikts zwischen ThyssenKrupp und Cevian Capital: Auf der einen Seite ein traditionsreiches Unternehmen, das vor großen Herausforderungen steht. Und auf der anderen Seite ein aktivistischer Investor, der den Druck auf Vorstand und Aufsichtsrat immer weiter erhöht.

Im Fall ThyssenKrupp führte die Eskalation im Sommer 2018 dazu, dass kurz hintereinander Vorstandschef Heinrich Hiesinger und Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Lehner hinwarfen. Wir titelten damals „Das Ende des rheinischen Kapitalismus“, weil beide für eine langfristig ausgerichtete Unternehmensführung zum Wohl sämtlicher Stakeholder stehen.

Der Konflikt zwischen dem Londoner Hedgefonds Petrus Advisers und dem Wiesbadener Immobilienfinanzierer Aareal Bank könnte nun ähnlich verlaufen. So ist CEO Hermann Josef Merkens gerade zurückgetreten (allerdings aus gesundheitlichen Gründen – gute Besserung). Zugleich drängt Petrus Advisers mit wachsender Vehemenz auf den Abgang von Aufsichtsratschefin Marija Korsch.

Laber vs. Korsch: Showdown im Mai

Auf der Hauptversammlung in vier Wochen kommt es deshalb zum Showdown: Petrus schickt den früheren HVB-Vorstand Theodor Heinz Laber ins Rennen, um Korsch zu ersetzen. Zudem haben die Aktivisten, die knapp zehn Prozent der Aktien halten, zwei weitere Kandidaten für das zwölfköpfige Kontrollgremium nominiert.

Nun muss ich dazu sagen, dass ich Petrus-Partner Till Hufnagel auf dem Deutschen Aufsichtsratstag (DART) im November 2019 als klugen Kopf und angenehmen Gesprächspartner erlebt habe. Mein Eindruck damals: Er ist weniger aggressiv als andere Aktivisten und legt ein stärkeres Augenmerk auf die Interessenkongruenz mit anderen Aktionären.

Schon der Name „Petrus Advisers“ suggeriert schließlich: Wir haben es hier mit Himmelswächtern zu tun – und nicht etwa mit Höllenhunden. Zudem verstehen sich die Londoner (auch) als Berater, nicht als reine Investoren.

Erleben wir eine Radikalisierung der Aktivisten?

Allerdings trat auch der damals Cevian-Deutschland-Chef Jens Tischendorf stets höflich und konstruktiv auf. Doch je länger erhoffte Kursgewinne und üppige Dividenden ausblieben, desto schärfer wurde der Ton gegenüber der ThyssenKrupp-Spitze – und desto offensiver trug Tischendorf den Konflikt in die Öffentlichkeit.

Damit machte er endgültig deutlich, dass es viel mehr um die Interessen der Cevian-Investoren als um die des Unternehmens ThyssenKrupp und anderer Stakeholder geht. Das Ergebnis ist bekannt.

Ich habe den Eindruck, dass wir bei Petrus gerade eine ähnliche Entwicklung erleben – zumal Analysten die Meinung vertreten, dass die Aareal-Bank „prinzipiell gut“ dasteht bzw. „auf einem guten Weg“ ist. Die Geschütze, die Till Hufnagel auffährt, scheinen vor diesem Hintergrund jedenfalls völlig unverhältnismäßig.

Herzlichst

Ihr Peter H. Dehnen

 

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