Icahn & Co: Woran erkennt man einen Wolf im Schafspelz – und wann ist es zu spät?

Liebe Leser*innen der GermanBoardNews, 

Sie erinnern sich an Carl Icahn? Der gefürchtete aktivistische Investor diente einst als Vorbild für die Filmfigur Gordon Gekko („Wall Street“). Icahn galt vielen als Inbegriff eines US-Finanzkapitalisten, der rücksichtslos den eigenen Vorteil sucht und Gewinne maximiert. 

Was für ein Kontrast zu dem Image, das der 86-Jährige neuerdings pflegt: „Tiere gehören zu den Dingen, bei denen ich emotional werde“, sagte Icahn vor wenigen Tagen. Deshalb dürfe die Fastfood-Kette McDonald’s nur noch mit Lieferanten zusammenarbeiten, die Schweine anständig behandeln.   

Haben wir Icahn also über Jahrzehnte falsch eingeschätzt? Ist der Multimilliardär altersmilde geworden? Oder handelt es sich schlicht um eine Anpassung seiner Strategie an den grünen Zeitgeist; um Renditemaximierung im grün-sozialen Deckmäntelchen 

Was mich bei ESG-Aktivisten misstrauisch macht? 

Ich weiß es nicht. Misstrauisch macht mich, dass Icahn es nicht bei Appellen belässt, sondern zwei Sitze im McDonalds-Board fordert. Das würde ihm auch jenseits des Tierwohls erlauben, Einfluss auf die unternehmerische Strategie zu nehmen und eigene Interessen zu verfolgen.  

Der Fall offenbart ein Dilemma, mit dem sich immer mehr Vorstände und Aufsichtsräte konfrontiert sehen: Aktivistische Investoren drängen neuerdings vorzugsweise auf Veränderungen, die auch ESG-Investoren goutieren – Klima- und Tierschutz beispielsweise. Mit einer entsprechenden Kampagne sieht sich derzeit auch RWE konfrontiert, im vergangenen Jahr traf es ExxonMobil. 

Mit dieser Strategie erhöhen Aktivisten die Chance, Mehrheiten gegen das Management zu schmieden und eigene Aufsichtsräte durchzusetzen. Es drohen also vermehrt unheilige Allianzen zwischen Aktivisten und klassischen Investoren. Völlig offen bleibt jedoch die Frage, wie ernst es die Aktivisten wirklich meinen mit der Nachhaltigkeit.  

Wird das grüne Mäntelchen wieder abgestreift? 

Ich sehe die Gefahr, dass sich einige als Wolf im Schafspelz entpuppen – und das grüne Mäntelchen schnell wieder abstreifen, wenn’s ans Eigemachte geht. Also zum Beispiel um die Frage, ob das Unternehmen mehr in grüne Technologien investieren oder lieber eine üppige Dividende ausschütten soll.  

Vorstände und Aufsichtsräte sind deshalb gut beraten, sich für die Attacken „grüner“ Aktivisten zu wappnen. Mit mutigen Strategien zur grünen Transformation, aber auch mit gut aufgestellten Gremien: Wer jetzt ESG-Experten in den Aufsichtsrat holt, nimmt Aktivisten den Wind aus den Segeln – und senkt das Risiko unheiliger Allianzen.   

Doch Vorsicht: Kompetente Nachhaltigkeitsexperten finden Aufsichtsratschefs oft nicht in den Old-Economy-Netzwerken, die sie oder ihre Personalberater üblicherweise anzapfen. Denn Entscheider aus Nachhaltigkeitsbanken, ESG-Analysehäusern oder grünen Startups sind dort eher selten vertreten.  

Es gilt deshalb, über den Tellerrand zu schauen und neue Wege bei der Rekrutierung von Aufsichtsräten zu beschreiten – zum Beispiel in Form von Matching-Modellen 

Herzlichst,  

Ihr Peter H. Dehnen (Herausgeber)