Dieter Zetsche: Platzt der Traum vom Aufsichtsratsvorsitz?

Die Marschroute schien abgesteckt: Nach seinem Abschied als CEO sollte Dieter Zetsche zwei Jahre warten, um 2021 hinreichend abgekühlt den Vorsitz im Daimler-Aufsichtsrat zu übernehmen. Das sei bis vor Kurzem „völlig klar“ gewesen, sagte ein Mitglied des Kontrollgremiums dem Manager Magazin. Doch nach dem Rückruf hunderttausender Diesel-Fahrzeuge und angesichts der Ermittlungen wegen vermeintlicher Abgas-Manipulationen und eines möglichen Lkw-Kartells stellt sich mehr denn je die Frage: Wie glaubwürdig könnte ein Aufsichtsratschef Zetsche Verfehlungen aufarbeiten, wenn es bei Daimler zum Diesel- und/oder Kartell-GAU kommen sollte?

Nachfolgeplanung: Bischoff braucht einen Plan B

Laut Manager Magazin wehren sich vor allem Arbeitnehmervertreter gegen Zetsches Zukunftsplan, weil sie fürchten, „dass der neue Chefkontrolleur von seiner Vergangenheit eingeholt wird“. Der derzeitige Aufsichtsratschef Manfred Bischoff (76) steht demnach dagegen unverändert zu Zetsche – was schlimmstenfalls auch daran liegen könnte, dass die beiden sich schon lange kennen und laut Unternehmenskennern enge Vertraute sind. Wir meinen: Aus heutiger Sicht steht zu befürchten, dass auch eine zweijährige Cooling-Off-Periode bei Zetsche nicht ausreicht. Bischoff braucht deshalb einen Plan B für die Nachfolge im Aufsichtsrat.