Herrenknecht-Aufsichtsrat: Wenn der Filius auf den Chefposten drängt

Martin-Devid Herrenknecht

Es war eines der interessantesten Interviews, das wir in den vergangenen Monaten gelesen haben: Das Manager Magazin hat Martin Herrenknecht und seinen Sohn Martin-Devid (31) zur Nachfolgeregelung beim Weltmarktführer für Tunnelbohrmaschinen befragt – und dabei Spannungsfelder zutage gefördert, die in Familienunternehmen meist nicht öffentlich werden. So konfrontierten die Interviewer den Filius mit der Tatsache, dass der Herrenknecht-Aufsichtsrat – in dem erfahrene Kontrolleure wie Ex-LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter, Rüdiger Grube und Gerhard Schröder sitzen – „einen externen Manager für die CEO-Nachfolge erwogen“ habe.

Großes Selbstbewusstsein, fragwürdiges Governance-Verständnis

Er habe seinem Vater daraufhin gesagt, „dass ich den nicht akzeptieren würde“, antwortete Martin-Devid Herrenknecht – und offenbarte damit großes Selbstbewusstsein, aber auch ein fragwürdiges Corporate-Governance-Verständnis. Der Kompromiss sieht jetzt vor, dass der 76-jährige Vater noch zwei Jahre als CEO fungiert und in dieser Zeit dafür sorgt, dass der forsche Filius – den er während des Interviews immer wieder ausbremste – „vorstandstauglich“ wird. Dazu wird Aufsichtsrat Grube Martin-Devid als Management-Coach zur Seite stehen (gegen dessen Willen). Wir sind gespannt, ob dieser Kompromiss trägt – oder ob die Aufsichtsräte irgendwann bedauern, dass sie nicht vehementer auf einen externen Geschäftsführer gedrängt haben.