Aufsichtsratschefs: Wie Paul Singer die Deutungshoheit gewinnt

Paul Singer

Das Manager Magazin beleuchtet in seiner neuen Ausgabe die Geschäftspraktiken des Hedgefonds Elliott von Paul Singer, der unter anderem ThyssenKrupp ins Visier genommen hat – und wirft dabei wichtige Fragen auf, die auch uns umtreiben („Regieren künftig aggressive Aktionärscliquen das Land?“). Dabei verknüpfen die Autoren ihren kritischen und gut recherchierten „Inside-Report“ mit einem Seitenhieb gegen ThyssenKrupps Ex-Aufsichtsratschef Ulrich Lehner: Er habe sich von den Vorständen „einlullen lassen“ und gehöre „zu jener Sorte präsidialer Urgesteine, die ihre Mandate als Ehrenrunde einer Topmanager-Karriere begreifen“.

Aggressive Aktionäre, hochkarätige PR-Strategen

Sicher, diese Spezies sind in den Aufsichtsräten trotz Professionalisierung noch vertreten. Aber wer Lehner kennt, weiß: Er gehört nicht dazu, sondern ist Aufsichtsrat aus Überzeugung – auch wenn er sich gerne „an Skattischen“ aufhält, wie das Manager Magazin spitz anmerkt. Die Kritik an ihm sollte allen Aufsichtsräten zu denken geben, denn sie zeigt: Aggressive Aktionäre wie Singer haben nicht nur Top-Aktienrechtler an ihrer Seite, sondern auch hochkarätige PR-Strategen, die vermeintliche Schwachpunkte in eingängige Botschaften verwandeln (die auch bei kritischen Medien verfangen). Das birgt die Gefahr, dass aktivistische Investoren in zentralen Fragen die Deutungshoheit gewinnen – ein Grund mehr, dass alle kapitalmarktorientierten Aufsichtsräte sich einem aktiven Berufsverband wie VARD anschließen und ihre Stimme zu Gehör bringen.