Kampagnen: Warum Aufsichtsräte jetzt in die Offensive gehen müssen

Aufsichtsräte

Eine lesenswerte Analyse des „PR-Magazin“ hat eine Diskussion darüber entfacht, ob und inwieweit Aufsichtsräte öffentlich kommunizieren sollten. Nach unserer Wahrnehmung lässt sich die Mehrheitsmeinung in der Corporate-Governance-Community so zusammenfassen: Ja, sie sollten – aber nur über aufsichtsratsspezifische Themen und sehr zurückhaltend. Wir stimmen nur zur Hälfte zu. Denn unseres Erachtens ist die große Zurückhaltung gegenüber den Medien, die viele Gremien an den Tag legen, heutzutage brandgefährlich – vor allem bei Debatten über den Vorstandschef.

Was im ThyssenKrupp-Aufsichtsrat falsch lief

Der Fall ThyssenKrupp hat dies eindrucksvoll belegt. Zwar verteidigte der damalige Aufsichtsratschef Ulrich Lehner seinen CEO Heinrich Hiesinger in einem Interview vehement gegen die Attacken aktivistischer Aktionäre. Doch offenbar war die Aktion nicht eingebettet in eine abgestimmte Kommunikationsstrategie des Gremiums – sonst hätten andere Aufsichtsräte, allen voran Ursula Gather von der Krupp-Stiftung, im Anschluss Zustimmung signalisiert. Durch ihr Schweigen entstand jedoch der Eindruck, dass Hiesinger und Lehner keinen breiten Rückhalt unter den Eigentümern genießen. Die Folgen sind bekannt.

Achtung: Kampagnen gegen Aufsichtsräte

Hinzu kommt, dass auch Aufsichtsräte zunehmend zum Ziel aktivistischer Kampagnen werden. Insbesondere die Aufsichtsratschefs sollten deshalb in der Lage sein, professionell mit Medien und Öffentlichkeit zu kommunizieren, um Aktivisten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Sicher: Niemand muss jetzt anfangen, zu tweeten und zu posten, was das Zeug hält. Aber es gilt, Angriffe zu antizipieren und eine adäquate Kommunikationsstrategie entwickeln, um im Fall der Fälle vorbereitet zu sein.