Manuel Theisen vs. Elmar Degenhart: Ein Aufruf zur Mäßigung

Elmar Degenhart

Auf den vieldiskutierten „Brandbrief“ an mehr als 400 Führungskräfte des Automobilzulieferers Conti folgte am Freitag ein „Brandinterview“: Der Corporate-Governance-Experte Manuel Theisen bezeichnete das Schreiben als Eingeständnis des Vorstands, „in der Führung versagt zu haben“ – und forderte de facto den Rücktritt von CEO Elmar Degenhart: „Im Grunde genommen“, so Professor Theisen, fehle in dem Brandbrief ein Satz: „Und aus diesem Grund trete ich sofort zurück.“ Diese vehemente Kritik hat uns – gelinde gesagt – überrascht. Sicher: Die beiden Gewinnwarnungen des Konzerns, die dem Brandbrief vorausgingen, waren peinlich und ärgerlich.

Professor mit aktivistischem Habitus?

Aber sie sollten nicht den Blick darauf verstellen, dass es wirtschaftlich gut läuft in Hannover: Conti ist unter Degenhart kräftig gewachsen und trotz gesenkter Prognosen weiter hochprofitabel. Zudem kann man den „Brandbrief“ – wie Fidelity-Fondsmanager Christian von Engelbrechten – auch anders deuten: Als Zeichen dafür, dass Degenhart die Probleme entschlossen angeht. Oder dürfen CEOs Manager nur noch mit Samthandschuhen anfassen, um sie bloß nicht zu demotivieren? Uns erscheint es vor diesem Hintergrund jedenfalls überzogen, von einem „Versagen“ zu sprechen und Degenhart infrage zu stellen. Das hätten wir allenfalls von aktivistischen Investoren erwartet, die auf kurzfristige Kursgewinne abzielen – aber nicht von einem renommierten Corporate-Governance-Experten, der mehr an konstruktiven Debatten interessiert sein sollte als an Schlagzeilen.