Dieselgate: VW-Aufsichtsrat Weil und das Hardware-Problem

Stephan Weil

Anders als seine Parteifreundin, die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), hält der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil wenig von Hardwarenachrüstungen bei Diesel-Fahrzeugen. Sie seien „anders als oft suggeriert kein Allheilmittel“, verkündete er vergangene Woche. Diese Meinung kann man natürlich vertreten – das Problem ist nur: Weil ist zugleich VW-Aufsichtsrat und damit rechtlich dem Wohl des Unternehmens verpflichtet. Und es fällt schwer zu glauben, dass dies bei seiner Meinungsbildung keine Rolle gespielt hat.

Politiker raus, unabhängige Experten rein

Somit zeigt sich einmal mehr, dass Politiker in Aufsichtsräten teils schweren Interessenkonflikten unterliegen. Schließlich wären strenge Auflagen für VW teuer, aber aus Sicht vieler Bürger bzw. Wähler wünschenswert (etwa, wenn sie ihr Auto behalten möchten oder sich kein neues leisten können). Und dass sich Weil in diesem Fall auf die Seite des Unternehmens geschlagen hat, sollte bei VW niemanden in Sicherheit wiegen – beim nächsten Konflikt kann das anders aussehen. Jedenfalls entspräche es guter Unternehmensführung, wenn das Land Niedersachsen unverdrossen den Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann in den VW-Aufsichtsrat schickt – und keine unabhängigen Branchenkenner, wie es etwa FDP-Chef Christian Lindner im Frühjahr gefordert hatte.