Bahn-Aufsichtsratschef Michael Odenwald: Controlling statt Kontrolle

Michael Odenwald

Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn, Michael Odenwald, soll versucht haben, die Digital-Chefin Sabina Jeschke von einer Reise nach China abzuhalten. Der Chefkontrolleur habe nachfragen lassen, „was sie denn in Fernost wolle und ob es nicht besser sei, sich in Berlin auf die Strategiesitzung vorzubereiten“, schreibt der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe. Sogar einen Brief habe er Jeschke geschrieben, „gespickt mit kritischen Fragen zum geplanten China-Trip“. Zugegeben: Wir können kaum glauben, dass sich Michael Odenwald derart ins operative Geschäft einmischt. Aber andererseits würde die Episode ins Bild passen – ins Bild einer Bahn, die die Bundesregierung immer enger an die Kandare nimmt.

Odenwald und Rehberg rein, Frenzel und Großmann raus

Das gehörte zu den erklärten Zielen des Koalitionsvertrages, und Schwarz-Rot hat keine Zeit verschenkt: Im April beriefen sie den ehemaligen Verkehrsstaatssekretär Odenwald zum Gremienchef und Nachfolger von Ex-Degussa-CEO Utz-Hellmuth Felcht, der die politische Einflussnahme scharf kritisiert hatte. Zudem zog der CDU-Haushälter Eckhardt Rehberg in den Aufsichtsrat ein. Da der kurz nach Felcht auch der frühere Tui-Chef Michael Frenzel und der Unternehmer Jürgen Großmann ihre Hüte nahmen, dominieren auf Anteilseignerseite nun eindeutig Staatssekretäre und Bundestagsabgeordnete. Und angesichts des Mangels an unternehmerischer Expertise würde es uns nicht überraschen, wenn im Aufsichtsrat eine ministerialbürokratische Controller-Attitüde eingekehrt ist. Dabei bräuchte der Bahn-Vorstand dringender denn kompetente Kontrolleure, die Wesentliches von Unwesentlichem trennen, die richtigen Fragen stellen und auch bei strategischen Fragen als Sparringspartner fungieren können.