FIFA Council: Der schlechteste Aufsichtsrat der Welt

Gianni Infantino

Es mag Sie überraschen, aber eigentlich soll Gianni Infantino als eine Art Aufsichtsratschef Plus fungieren. Fürs operative Geschäft ist laut Statuten dagegen die senegalesische Generalsekretärin Fatma Samba Diouf Samoura verantwortlich, die laut Statuten „CEO der FIFA“ ist. Doch neue Football-Leaks-Dokumente, die der „Spiegel“ ausgewertet hat, zeichnen ein völlig anderes Bild. Infantino agiert demnach wie ein „Alleinherrscher“ und mischt sich selbst in Details ein. So habe er den Ethik-Kodex „mit eigener Hand“ überarbeitet und damit „in mehreren Punkten“ entschärft.

Auf Blatters Spuren: Wer stoppt Infantino?

Nach der Lektüre steht für uns endgültig fest: Infantino, der nach der Ägide Sepp Blatter Hoffnungen auf einen Neuanfang geweckt hatte, hat die FIFA vom Regen in die Traufe geführt. Aber wer könnte ihn stoppen? Formal gesehen der FIFA-Congress, also die Vertreter der 211 Mitgliedsverbände, die den Präsidenten wählen – das nächste Mal im Juni. Ob sie Gianni Infantino stürzen, ist aber ungewiss – schließlich ist er ein begnadeter Strippenzieher, der sich finanziell großzügig zeigt. Umso wichtiger wäre, dass das 37-köpfige FIFA Council zum Korrektiv wird. Hier fungiert Infantino als Vorsitzender, hat aber nur eine Stimme.

Die FIFA braucht professionelle Aufsichtsräte

Der Haken: In dem Überwachungsgremium dominieren Fußball-Funktionäre, von denen viele vor allem die Interessen ihrer eigenen Verbände verfolgen. Professionelle und unabhängige Aufsichtsräte fehlen dagegen. Und darüber hinaus macht es die schiere Größe nahezu unmöglich, intensiv und zielführend zu diskutieren. Wir fürchten deshalb: Solange das FIFA Council, dem auch DFB-Chef Reinhard Grindel angehört, kein echter Aufsichtsrat wird, bleiben sämtliche wohlklingenden Governance- und Ethik-Reformen Makulatur.