Aufsichtsratschef Wolf und die Demontage des Jahres

Norma

In der diesjährigen HV-Saison war es soweit. Nachdem Aktionäre zuvor oft gebellt, aber nicht gebissen hatten, stürzten sie einen prominenten Aufsichtsratschef: Stefan Wolf, Chefkontrolleur des im MDax notierten Industrie- und Automobilzulieferers Norma, erhielt auf einer spektakulären Hauptversammlung lediglich 49,6 Prozent der Stimmen. Investoren und Aktionärsberater störten sich vor allem an der hohen Arbeitsbelastung von Wolf, der bis heute Vorstandschef des Autozulieferers ElringKlinger, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall und Aufsichtsratsmitglied bei Allgaier ist.

Michelberger übernimmt Vorsitz, Wilhelm kommt dazu

Darüber hinaus kritisierten prominente Aktionäre Wolfs Personalauswahl. Der Ex-Dematic-CFO Knut Michelberger und der frühere Mannesmann-Manager Lars Magnus Berg seien zu alt für eine weitere Amtszeit im Norma-Aufsichtsrat, hieß es. Und die erstmals zur Wahl stehende Ex-Opel-Managerin Rita Forst stieß auf Kritik, weil sie auch im Aufsichtsrat von ElringKlinger sitzt – und dort Wolf überwacht. Die drei Kandidaten wurden dennoch in das sechsköpfige Gremium gewählt, Berg stieg anschließend sogar zum neuen Aufsichtsratschef und Nachfolger von Stefan Wolf auf. Wolfs Mandat übernahm drei Monate später der Stabilo-Finanzvorstand Mark Wilhelms. Ob das die Aktionäre zufriedenstellt, wird sich auf der nächsten Hauptversammlung zeigen.