Mitbestimmung: Die Lehren aus dem VW-Skandal

VW-Skandal

Als wäre das Maß seit Dieselgate nicht voll, musste Volkswagen den nächsten schweren Fehler eingestehen: Der Konzern hat rechtswidrig Tausende Vorserienfahrzeuge verkauft. Das wirft erneut die Frage auf, warum ausgerechnet bei VW, wo die Gewerkschaften und der Staat großen Einfluss haben, eine Unternehmenskultur mit einem derartigen Fokus auf Umsatz- und Profitmaximierung gedeihen konnte. Und nachdem wir die Rolle der Politiker im Aufsichtsrat mehrfach kritisch beleuchtet haben, ist es an der Zeit, den Blick auf die Arbeitnehmervertreter zu richten: Warum haben sie überambitionierte Zielvorgaben genauso wenig verhindert wie schwere Fehlanreize durch Millionen-Boni?

Kurzfristiges Denken ist leider nicht den Aktivisten vorbehalten

Wir fürchten: Weil ihnen Themen wie die Unternehmenskultur fremd waren. Solange sie gute Tarifabschlüsse durchsetzen und Entlassungen verhindern konnten, unterstützten sie den Kurs des Vorstands – genau wie die niedersächsischen Ministerpräsidenten. Das zeigt, dass kurzfristiges Denken nicht allein aktivistischen Investoren vorbehalten ist: Was für die Einen der Aktienkurs ist, sind für die Anderen Lohnniveau und Beschäftigtenzahl; solange die Höhe stimmt, rückt alles andere in den Hintergrund. Wir hoffen deshalb, dass die Arbeitnehmer-Aufsichtsräte um IG-Metall-Chef Jörg Hofmann und Betriebsrat Bernd Osterloh die Skandale zum Anlass nehmen, auch ihre eigene Rolle kritisch zu hinterfragen – und zu prüfen, ob sie das langfristige Unternehmenswohl ausreichend im Blick haben. Denn nur das garantiert, dass die Mitbestimmung auch in disruptiven Zeiten ein Vorteil bleibt.