Uli Hoeneß: Die Bayern brauchen eine Governance-Reform

Fc Bayern

Der FC Bayern München hat kein Uli-Hoeneß-, sondern vor allem ein Corporate-Governance-Problem. Denn ein Geflecht von Freundschaften, Abhängigkeiten und Geschäftsbeziehungen verhindert effektive „Checks and Balances“: Mit dem seit 16 Jahren amtierenden Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge verbindet Hoeneß eine Art Schicksalsgemeinschaft, und auch die übrigen Vorstände sowie Sportdirektor Hasan Salihamidžić sind für ein hohes Maß an Loyalität bekannt. Besonders bedenklich: Selbst der neunköpfige Aufsichtsrat kann nicht als Korrektiv fungieren.

Nachfolgeplanung: Loyale Wegbegleiter statt starke Persönlichkeiten

Denn in dem Gremium fehlen unabhängige Experten; stattdessen geben Vereinsfunktionäre und Wegbegleiter wie Edmund Stoiber sowie Sponsoren den Ton an. Präsident und Aufsichtsratschef Hoeneß (66) kann deshalb nach Gutsherrenart schalten und walten. Das ging lange gut, doch zuletzt wirkte er immer öfter wie aus der Zeit gefallen. Damit rächt sich, dass Hoeneß lieber loyale Wegbegleiter in zentrale Positionen geholt hat, statt starke Persönlichkeiten zu Nachfolgern aufzubauen – sei es für Dauer-CEO-Rummenigge oder sich selbst.

Soll ausgerechnet VW-Chef Diess für bessere Governance sorgen?

Ein wichtiger Schritt wäre deshalb, endlich unabhängige Experten in den Aufsichtsrat zu holen und dort für mehr Diversity zu sorgen (die Frauenquote liegt noch immer bei Null). Diese Chance verschenkt Hoeneß jedoch, wenn nun VW-Chef Herbert Diess den Dieselgate-Beschuldigten Rupert Stadler ersetzt, was laut Handelsblatt geplant ist. Denn uns erscheint schwer vorstellbar, dass ausgerechnet ein VW-Manager die Bayern in Sachen Corporate Governance voranbringt – zumal VW als Sponsor eigene Interessen verfolgt.