Gerry Weber: War der Aufsichtsrat unabhängig genug?

Gerry Weber

Um es ganz deutlich zu sagen: Eine Insolvenz ist keine Schande; und wenn Deutschland zur Gründer- und Unternehmerrepublik reifen soll, müssen wir uns Pauschalkritik und Häme abgewöhnen. Das gilt natürlich auch für die Insolvenz von Gerry Weber, zumal die Digitalisierung und neue Kunden-Präferenzen die Modebranche derzeit vor besondere Herausforderungen stellen. Sachliche Ursachenforschung ist jedoch wichtig, und uns interessiert in diesem Zusammenhang vor allem der Aufsichtsrat.

Aufsichtsratschef Schröders „enge Verbindung“

Denn gerade wenn ein Familienunternehmen derart auf seinen Gründer zugeschnitten ist wie Gerry Weber, sind starke Kontrolleure als Korrektiv gefragt: Sie müssen Patriarchen zum rechtzeitigen Aufbau eines Nachfolgers drängen und bewährte Strategien hinterfragen. Im zwölfköpfigen Aufsichtsrat dominieren auf Seiten der Anteilseigner jedoch Vertreter der Gründerfamilien und Vertraute von Gerhard Weber (77) – allen voran der Ex-Oetker-Manager und Gremienchef Ernst F. Schröder (70), dem Beobachter eine „enge Verbindung“ zum Patriarchen attestieren. Hat das den Blick getrübt? Wir wissen es nicht. Uns wäre mit einem Aufsichtsratsvorsitzenden aus einer anderen Generation und Region aber wohler gewesen. Formale Unabhängigkeit ist eben häufig nicht genug.