Skandale: Der ADAC braucht einen echten Aufsichtsrat

ADAC

Das Muster erinnert an die niederschmetternde Entwicklung bei der FIFA: Auf einen Skandal folgen vollmundige Versprechungen und tiefgreifende Reformen, die Beobachter wohlwollend begleiten. Auch wir waren zunächst zuversichtlich, als der ADAC vor zweieinhalb Jahren eine neue Struktur implementierte – haben aber zugleich darauf hingewiesen, dass es vor allem darauf ankommt, „wie die Aufsichtsräte ihre Rolle interpretieren“. Ein Medienbericht lässt nun große Zweifel aufkommen, ob mit der Strukturreform auch der versprochene Kulturwandel einherging. Eine Mitarbeiterbefragung habe gezeigt, dass die Stimmung „ungewöhnlich schlecht“ sei, schreibt das Handelsblatt – und zitiert ausführlich aus Kommentaren der Angestellten.

Angstkultur beim Automobilclub?

Der Gesamteindruck ist verheerend: Beim Automobilclub gilt demnach das Prinzip „jeder gegen jeden“; die drei Bereiche und deren Führungskräfte arbeiten gegen- statt miteinander. Das wäre ein klarer Arbeitsauftrag für den sechsköpfigen Aufsichtsrat der ADAC SE, in der die kommerziellen Aktivitäten gebündelt sind. Schließlich sollte sich das Gremium, wie alle Aufsichtsräte, als Hüter der Unternehmenskultur verstehen. Leider hat der ADAC aber keine externen Experten engagiert, sondern Vertreter des Vereins (wie Präsident August Markl) und der ADAC Stiftung (sowie drei Arbeitnehmer). Von einem echten Aufsichtsrat und unabhängiger Überwachung kann damit keine Rede sein – eine weitere Parallele zur FIFA. Und aus unserer Sicht die Wurzel des Übels.