Joe Kaeser: Wie der Siemens-Chef den Populismus fördert

Joe Kaeser

Wir haben Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst für seine klare Haltung gegen Populismus und sein Bekenntnis zur europäischen Governance-Kultur gelobt. Denn wir sind überzeugt, dass Top-Manager jetzt Flagge zeigen müssen. Allerdings müssen sie sich zugleich an ihren Worten messen lassen – durch eine wertebasierte, verantwortungsbewusste Unternehmensführung. Die wollen wir Joe Kaeser nicht absprechen, aber auf eine Diskrepanz hinweisen: Wer „inklusiven Kapitalismus“ propagiert und zugleich derart exklusiv verdient wie der Siemens-Chef, riskiert seine Glaubwürdigkeit.

Die wirkungsvollste Waffe von Top-Managern ist – Good Governance

Wie das Handelsblatt berichtete, erhielt Joe Kaeser im vergangenen Jahr eine Vergütung von 9,6 Millionen Euro; zudem habe Siemens 13 Millionen Euro für seine Pension zurückgestellt. Solche Managergehälter sind Wasser auf die Mühlen derer, die Kaeser verbal bekämpft: Angesichts verbreiteter Angst vor Altersarmut können Populisten insbesondere mit dem Verweis auf „Luxus-Pensionen“ wunderbar Wut auf das „System“ schüren. Top-Manager und ihre Aufsichtsräte sollten deshalb nicht vergessen: Ihre wirkungsvollste Waffe gegen die Feinde offener Gesellschaften und freier Märkte ist Good Governance. Und dazu gehört auch – Maß halten beim Gehalt.