Wolfgang Reitzle: Wegbereiter einer exzessiven Shareholder-Value-Kultur?

Wolfgang Reitzle

Bei Linde weht nach der Fusion mit dem US-Unternehmen Praxair ein anderer Wind. Das ist die klare Botschaft eines Doppel-Interviews von CEO Steve Angel und Chairman Wolfgang Reitzle im Handelsblatt: Zentral seien aus seiner Sicht „kontinuierliche Verbesserungen und der Shareholder Value“, sagte Angel, der zuletzt 22 Millionen Dollar im Jahr kassierte. Auch Wolfgang Reitzle sprach ausführlich über die Aktionäre und verwies mehrfach auf die Marktbewertung, die auf 84 Milliarden Euro gestiegen sei. „Das zeigt: Die Idee war nicht ganz so schlecht.“

Aktionäre pämpern statt in die Zukunft investieren

Wir hoffen, dass bei dem Fokus auf die Aktionäre und deren Launen der Blick aufs große Ganze nicht verloren geht. Denn klar ist: Die Interessen der Investoren und die des Unternehmens sind nicht immer kongruent. Sorgen bereiten uns vor allem die geplanten Aktienrückkäufe im Volumen von bis zu sechs Milliarden Euro, von denen allein die Investoren profitieren werden – zulasten unternehmerischer Zukunftsinvestitionen, etwa in digitale Technologien oder die Weiterbildung von Mitarbeitern. Bei aller industriellen Logik der Fusion besteht aus unserer Sicht deshalb die Gefahr, dass bei Linde das Wichtigste auf der Strecke bleibt: die Unternehmenskultur.