Aufsichtsräte: Die Lehren aus dem Fall Carlos Goshn

Carlos Goshn

Da heutzutage fast alle Manager über Teamgeist, Sozialkompetenz und Ethik reden, gerät bisweilen in Vergessenheit: Es gibt sie noch, die Sonnenkönige in den Chefetagen. Aber meist erkennt man sie nicht auf den ersten Blick, weil sie rhetorische Nebelkerzen zünden oder ihre Hybris erst peu à peu entwickeln. Aufsichtsräte müssen deshalb dauerhaft wachsam sein – und können aus dem Skandal um den früheren Nissan-Renault-Mitsubishi-Chef Carlos Goshn lernen, wann die Alarmglocken besonders laut schrillen sollten.

Der Vorstandschef und sein Hofstaat  

So hat Carlos Goshn laut Handelsblatt bereits vor Jahren die alleinige Entscheidungsgewalt über die Managergehälter verlangt – inklusive seines eigenen Salärs. Zudem hat er offenbar ausschließlich Vertraute in die Chefetage geholt. Sicher: Im deutschen Two-Tier-System wäre das formal nicht möglich gewesen; Goshn profitierte unter anderem von seiner zeitweiligen Doppelrolle als Chairman und CEO. Aber auch hierzulande reden Vorstandschefs mit, wenn es um Personalien und Gehälter im Vorstand geht. Das kann allerdings zum Problem werden. Professionelle Aufsichtsräte werden deshalb hellhörig, wenn CEOs allzu offensiv auf Vertraute im Vorstand oder auf Sonderboni für loyale Unterstützer drängen.