HV-Saison: Wer erkauft die Zustimmung der Aktionäre?

HV-Saison

Wo einst sozialistische Mehrheiten an der Tagesordnung waren, erleben Vorstände und Aufsichtsräte inzwischen häufig regelrechte Zitterpartien: Die Gefahr von schmerzhaften Abstimmungsniederlagen auf der Hauptversammlung ist deutlich gestiegen, seit immer mehr Investoren ihre Rechte als Eigentümer wahr- und ernst nehmen. In einem besonders aufsehenerregenden Fall erwischte es in der 2018er HV-Saison Norma-Aufsichtsratschef Stefan Wolf, den die Aktionäre kurzerhand in die Wüste schickten. Künftig dürften Verantwortliche sogar noch öfter zittern, weil die neue Aktionärsrechterichtlinie (Arug II) mehr Mitsprache beim Thema Managergehälter vorsieht.

Es geht ihnen ums Geld – und nicht um Good Governance

Das Problem aus unserer Sicht: Viele vermeintlich engagierte Investoren halten am Ende doch still, solange die Dividende stimmt. Überspitzt formuliert: Ihnen geht’s ums Geld – nicht um Good Governance. Das schafft Anreize, zu viel auszuschütten, um Niederlagen auf der Hauptversammlung zu verhindern (zulasten wichtiger Zukunftsinvestitionen). Wir sollten deshalb genauer denn je hinschauen, wer welche Dividenden zahlt – und hoffen, dass Telekom-Chef Tim Hoettges und sein Team keine Trendsetter waren, als sie Ende März eine üppige Dividende ausschütteten (trotz anstehender Milliarden-Investitionen).