Managergehälter: Welche Aufsichtsräte jetzt gefordert sind

Managergehälter

Jürgen Heraeus ärgert sich über hohen Managergehälter in börsennotierten Unternehmen. Die Saläre seien „oft nicht akzeptabel“, sagte der Familienunternehmer jüngst der „ZEIT“. Wir sehen das ähnlich. Insbesondere große Abstände zu den Gehältern anderer Führungskräfte sind aus unserer Sicht ein Anachronismus – zumal moderne Chefs unermüdlich Teamgeist predigen. Aber werden die Saläre durch das neue Aktionärsrechtegesetz ARUG II, über das der Bundestag derzeit berät, wie erhofft sinken? Das Regelwerk wird voraussichtlich jährliche Abstimmungen über das Vergütungssystem vorschreiben, allerdings sollen diese „Say-on-Pay“-Voten unverbindlich bleiben. Ein Papiertiger also?

Überhöhte Gehälter, überhöhte Dividenden?

Die diesjährige HV-Saison hat immerhin gezeigt, dass der Widerstand gegen üppige Managergehälter weiterhin wächst. So übten Investoren von Lufthansa, ProSiebenSat1 und Zalando harsche Kritik – und setzten damit die Aufsichtsratschefs Karl-Ludwig Kley, Werner Brandt und Cristina Stenbeck unter Zugzwang. Brandt geriet sogar persönlich ins Visier: „Irgendwie habe ich das Gefühl, Sie waren mit ihren Zahlungen zu locker“, sagte eine Aktionärsvertreterin.

Die Entwicklung spricht dafür, dass der Druck auf allzu großzügige Kontrolleure durch ARUG II steigt. Zugleich sehen wir aber die Gefahr informeller Deals zulasten der Unternehmen. Schließlich wissen Aufsichtsräte: Solange die Dividende stimmt, halten viele Aktionäre still. Üppige Managergehälter könnten deshalb überhöhte Dividenden auslösen. Wir hoffen, dass Aufsichtsräte dieser Versuchung widerstehen und sich allein am Unternehmenswohl orientieren. Das dürfte oft bedeuten: CEO-Gehälter und Dividenden runter – und auf diese Weise Spielräume für Zukunftsinvestitionen schaffen und zugleich den Teamgeist fördern. Damit würden Kontrolleure im Übrigen untermauern, dass viel für die indirekte Aktionärsdemokratie spricht. Und wenig für noch mehr Macht der Investoren.