Norbert Reithofer & Dieter Zetsche: Zu heiß, um abzukühlen?

Norbert Reithofer

Der Wechsel von Vorstandschefs an die Spitze des Aufsichtsrats ist wieder ganz oben auf der Corporate-Governance-Agenda. Dafür gibt es gleich zwei Auslöser. Erstens: Der überraschende Rückzug von BMW-Boss Harald Krüger, der nach Ansicht von Kritikern nie aus dem Schatten seines Vorgängers und Aufsichtsratschefs Norbert Reithofer heraustreten konnte. Zweitens: Die Gewinnwarnung von Daimler, in deren Folge Investoren harsche Kritik am ausgeschiedenen Dieter Zetsche übten – und sich überraschend vehement gegen einen Wechsel an die Aufsichtsratsspitze in zwei Jahren aussprachen.

Personal Governance & die innere Unabhängigkeit

Auch wir sind überzeugt: Selbst nach zweijährigem Cooling Off sind derartige Beförderungen gefährlich. Denn machen wir uns nichts vor – die meisten Chefs sind, um im Bild zu bleiben, zu heiß, um rechtzeitig abzukühlen. Daimler etwa wird aller Voraussicht nach in zwei Jahren noch mit der Aufarbeitung des Dieselskandals beschäftigt sein. Wie soll Dieter Zetsche, der Verfehlungen hartnäckig verneint hat, darüber unabhängig wachen? Wir halten deshalb ein Cooling Off von mindestens drei Jahren für sinnvoll, wie es die VARD-Berufsgrundsätze empfehlen. Zugleich vermuten wir: Wenn sich Manager im Rahmen ihrer Personal Governance ernsthaft fragen, ob die innerlich inzwischen „cool“ genug sind, dürfte die Antwort auch nach drei Jahren häufig „nein“ lauten.