ThyssenKrupp: Wie Cevian die Krupp-Stiftung düpiert

ThyssenKrupp

Der Anfang vom Ende der Industrie-Ikone ThyssenKrupp, so wie wir sie kennen, waren nicht die schweren Managementfehler, etwa in Brasilien. Das hätten gute Vorstände und Aufsichtsräte wieder wettmachen können. Das Anfang vom Ende war unseres Erachtens der von Börsianern bejubelte Einstieg des Finanzinvestors Cevian im Jahr 2013. Denn dadurch blieb zu wenig Zeit, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen: Die ungeduldigen Schweden haben immer mehr Druck aufgebaut und jetzt laut Handelsblatt sogar auf eine üppige Sonderdividende gedrängt. Diesem Ansinnen hat sich dem Bericht zufolge Vorstandschef Guido Kerkhoff heftig widersetzt, genau wie die Arbeitnehmer-Vertreter im Aufsichtsrat.

Shareholder-Value-Ideologie vs. deutsche Governance-Kultur

Das lässt die gebetsmühlenartigen Beteuerungen von Cevian-Chef Lars Förberg, man sei ein langfristig orientierter Investor, dem es um das Wohl des Unternehmens gehe, in einem neuen Licht erscheinen. Denn je länger die erhofften üppigen Renditen ausblieben, desto aggressiver hat der Finanzinvestor die Zerschlagung gefordert. Wenn Cevian nicht mal davor zurückschreckte, trotz leerer Kassen auf hohe Ausschüttungen zu drängen, könnte man das als Demaskierung werten. Unabhängig davon ist klar: Bei ThyssenKrupp ist die Shareholder-Value-Ideologie auf die deutsche Governance-Kultur geprallt.

Was Aufsichtsräte aus dem Drama lernen können…

Leider hatte der Großaktionär, die Krupp-Stiftung, Cevian bislang wenig entgegenzusetzen: Konstruktionsfehler haben dazu geführt, dass es im Kuratorium an Hochkarätern mit unternehmerischer Erfahrung mangelt. Wir hoffen deshalb unverdrossen, dass die Stiftung weitere kompetente Unternehmer oder Manager an Bord holt. Zudem sollte das ThyssenKrupp-Drama allen Aufsichtsräten eine Lehre sein, die sich mit Investoren à la Cevian konfrontiert sehen. Es gilt nicht nur, deren Absichten kritisch zu hinterfragen – Aufsichtsräte müssen im Ernstfall dagegenhalten. Das lange Schweigen von Stiftungschefin Ursula Gather hat jedenfalls dazu geführt, dass Heinrich Hiesinger und Ulrich Lehner keinen Rückhalt mehr sahen und zurücktraten. Rückblickend spricht alles dafür, dass das der entscheidende Etappensieg für Cevian war.

… und warum sie zum 15. DART kommen sollten

Vor einer etwaigen Konfrontation sollte allerdings ein Dialog stehen. Wir freuen uns deshalb, dass Cevians Deutschland-Chef Jens Tischendorf zum „Dinner & Talk“ auf dem 15. Deutschen Aufsichtsratstag (#DART15) am 4. November in Düsseldorf kommt. Es gibt Einiges zu diskutieren.