Achleitner & Merz: Schuldlos schuldig? Die Tragik der Aufsichtsräte

Corporate Governance

ThyssenKrupp, Deutsche Bank, Volkswagen: 17 Jahre nach der Veröffentlichung des Deutschen Corporate Governance Kodex reiht sich ein Skandal an den nächsten. Parallel dazu wächst, verständlicherweise, die Kritik an Deutschlands Aufsichtsratsvorsitzenden als obersten Hütern der Unternehmenskultur. So konstatierte die WirtschaftsWoche jüngst ein „Kartell der Klone“, das trotz aller Diversity-Sonntagsreden für Monokulturen im Management sorge. Da ist was dran, aber wer glaubt, wir bräuchten lediglich neue Chefkontrolleure, macht es sich zu einfach. Denn bei näherem Hinsehen zeigt sich: In vielen Fällen sind die Aufsichtsratschefs selbst Getriebene.

Cevian, Katar und die Porsches: Großaktionäre machen Druck

Bei ThyssenKrupp machte Finanzinvestor Cevian Druck. Bei der Deutschen Bank nominierte Aufsichtsratschef Paul Achleitner den umstrittenen Jürg Zeltner auf Drängen von Katar. Und bei VW ließ sich Hans Dieter Pötsch trotz schwerer Interessenkonflikte von den Eigentümerfamilien in die Pflicht nehmen. Das Problem ist also nicht zuletzt der Einfluss großer Aktionäre, der gute Entscheidungen erschweren kann: Wie in griechischen Tragödien sind manche Aufsichtsratschefs „schuldlos schuldig“; formale Unabhängigkeit und gute Absichten werden bisweilen durch reale Zwänge konterkariert. Wir sind überzeugt: Um Auswege aus dem Dilemma zu finden und die Unabhängigkeit von Aufsichtsgremien zu stärken, müssen wir endlich über neue Corporate-Governance-Ansätze diskutieren.

Aktionärsrechte zum Wohl des Unternehmens beschränken?

Eine Option wäre ein professioneller Dienstleister, der die Überwachung des Vorstands übernimmt (was in den USA bereits intensiv diskutiert wird). Aktionäre könnten dann bei der Auswahl des Dienstleisters mitreden – mehr nicht. Eine weitere Möglichkeit wäre, neue Aufsichtsräte aus einem Pool geeigneter Kandidaten auslosen. Auch das würde den Einfluss einzelner Aktionäre auf die Zusammensetzung des Gremiums beschränken. Zu weit gedacht, meinen Sie? Nicht mit Aktionärsrechten, Two-Tier-System und Mitbestimmung vereinbar? Dann kommen Sie zum 15. Deutschen Aufsichtsratstag (#DART15) am 4./5. November in Düsseldorf und diskutieren Sie mit uns über #FutureGoodGovernance. Neue Zeiten brauchen neue Antworten.

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