IG-Metall-Chef Hofmann: Von der Mitbestimmung zur Blockade?

Mitbestimmung

Kurz nach seiner Wiederwahl im Oktober hat der IG-Metall-Chef eine Forderung aufgestellt, die nicht unkommentiert bleiben darf. „Wenn man eine Balance zwischen Arbeit und Kapital schaffen will, dann muss die Mitbestimmung gestärkt werden“, sagte Jörg Hofmann im Handelsblatt-Interview. Das Doppelstimmrecht des Aufsichtsratschefs verhindere bisher jedoch „wirkliche Mitsprache“. Sollten wir Arbeit und Kapital also gleichstellen? Wir meinen: Wer das unternehmerische Risiko trägt, sollte im Zweifel das letzte Wort haben – zumal sich Unternehmen Verzögerungen durch Blockaden im Aufsichtsrat nicht erlauben können, gerade angesichts des rasanten technologischen Wandels.

Warum Mitarbeiterbeteiligungen der Königsweg sind

Hinzu kommt: Während auf Kapitalseite immer mehr unabhängige Aufsichtsräte sitzen, die sich dem Unternehmenswohl und damit allen allen Stakeholdern verpflichtet fühlen, verfolgen Arbeitnehmervertreter naturgemäß auch eigene Interessen. Wir haben deshalb einen anderen Vorschlag, um den Faktor Arbeit aufzuwerten und eine bessere „Balance“ zu schaffen: Mitarbeiterbeteiligungen. Denn wenn Mitarbeiter am Unternehmen beteiligt sind, können sie mitentscheiden über die Eigentümervertreter im Aufsichtsrat. So ließe sich ihre (oft eher gefühlte als faktische) Benachteiligung durch das Doppelstimmrecht kompensieren, ohne Blockademöglichkeiten zu schaffen. Zudem entstünden zusätzliche Anreize für Aktionäre, unabhängige Kandidaten zu nominieren, die nicht allein die Interessen der Investoren vertreten.

Bedeutungsverlust? Warum Gewerkschaften zaudern

Das Problem: Mitarbeiterbeteiligungen passen vielen Gewerkschaftern nicht in den Kram. Sie fürchten einen Bedeutungsverlust der Tarifpolitik, wenn Arbeitnehmer Dividenden kassieren und unternehmerischer denken. Dabei wäre das der naheliegendste Weg, um den Gegensatz zwischen Arbeit und Kapital aufzulösen. Jörg Hofmann sollte deshalb besser Mitarbeiterbeteiligungen propagieren und seine Gewerkschaftsfunktionäre aus ihren ideologischen Schützengräben herausführen. Zumal damit keineswegs ein Bedeutungsverlust einhergehen muss: Gewerkschaften könnten eine zusätzliche Rolle übernehmen – als Garanten fairer Mitarbeiterbeteiligungsmodelle.