Paul Singer: Achtung, dieser Mann will Ihren Aufsichtsrat spalten!

Paul Singer

Der Hedgefonds Elliott von Paul Singer gehört zweifellos zu den aggressivsten Aktivisten, die sich in Deutschland tummeln. Davon können die Verantwortlichen bei ThyssenKrupp, SAP und Bayer ein Lied singen. „Angst verbreiten, Kasse machen, weiterziehen“, beschreibt Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld in der aktuellen „Capital“-Ausgabe die Strategie. Das Problem aus Sicht von Aufsichtsräten: Die Singer-Truppe versteht es hervorragend, den Finger in die Wunde zu legen und Verbündete auf ihre Seite zu ziehen. So machen sie immer wieder gemeinsame Sache mit institutionellen Investoren, die zwar offiziell langfristig orientiert sind – aber gegen höhere Dividenden und Kursgewinne auch nichts einzuwenden haben.

Elliott erstellt Psychogramme von Aufsichtsräten

So können gefährliche Koalitionen zulasten der übrigen Stakeholder entstehen. Denn bisweilen wäre es eben zum Wohl des Unternehmens besser, das Geld in die Zukunft zu investieren. Umso wichtiger wäre in solchen Fällen, dass der Aufsichtsrat zusammensteht. Doch Vorsicht: „Teil von Elliotts Playbook ist es, den Aufsichtsrat zu spalten und einen Keil zwischen Board und Management zu treiben“, berichtet Kleinfeld. „Dabei erstellen sie Psychogramme von allen Mitgliedern.“ Das zeigt eindrucksvoll, wie wichtig unabhängige Aufsichtsräte sind (im Sinne der VARD-Berufsgrundsätze). Besonders empfänglich für Singers Avancen dürften dagegen Kontrolleure sein, die zugleich Investoren sind und damit von kurzfristigen Kurssteigerungen profitieren. Wir bekräftigen deshalb unsere Forderung, die Unabhängigkeit von Aufsichtsräten zu stärken. Minderheitsaktionäre denken und handeln nicht wie Eigentümer – und sollten deshalb auf dem Beifahrersitz bleiben.