Dieter Zetsche: Boni nur bei Erfolg? Wo kämen wir denn da hin…

Dieter Zetsche

Wir müssen schon wieder über Managergehälter reden. Denn die Neuigkeiten der letzten beiden Wochen haben eindrucksvoll illustriert, wie viel noch immer im Argen liegt. So haben die Vorstände der Dieter Zetsche trotz Milliardenverlusten Anspruch auf Millionenboni – und versuchen verzweifelt, dem Aufsichtsrat um Paul Achleitner Kritik zu ersparen. Ihr freiwilliger Teilverzicht sei aber „keine lobenswerte Einsicht, sondern das Eingeständnis, dass das Vergütungssystem nicht funktioniert“, kommentierte Dieter Fockenbrock vom Handelsblatt treffend. Und wenn ein System dann mal funktioniere, so Fockenbrock weiter, werde es abgeschafft. Zum Beispiel bei der Tui, wo sich Vorstandschef Friedrich Joussen nach einem schwachen Jahr mit 1,1 Millionen Euro begnügen muss.

Ludwig Erhard hätte Marktversagen konstatiert

Prompt eilte ihm Aufsichtsratschef Dieter Zetsche zur Hilfe und kündigte an, die Kriterien für die variable Vergütung zu entschärfen. Boni nur bei Erfolg? Das scheint in Deutschlands Chefetagen undenkbar; die vielbeschworene „unternehmerische Bezahlung“ ist blanke Theorie: Top-Manager würden hierzulande „sehr sicher“ bezahlt, konstatiert das Manager Magazin in der aktuellen Titelstory. Das liege nicht nur an laxen Boni-Kriterien, sondern auch an üppigen Fix-Gehältern und Pensionsrückstellungen.

Und kommen Sie uns jetzt nicht mit marktwirtschaftlichen Mechanismen: Jahrzehntelang haben Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen, die ihren Job nicht ernst nahmen, freigiebig fremdes Geld verteilt – und so eine weit überzogene Anspruchshaltung kreiert. Ludwig Erhard hätte wohl Marktversagen in Form von Aufsichtsrats- und Eigentümerversagen gerügt: Schließlich übernimmt niemand echte unternehmerische Verantwortung, wenn Aktien im Streubesitz und Kontrolleure Kumpanen sind. Die neue, professionellere Generation der Aufsichtsräte müsste das Rad nun entschlossen zurückdrehen – gerade vor dem Hintergrund der digitalen Transformation. Aber das wird schwierig, solange alte Hasen wie Zetsche an der Spitze stehen, die in der Welt der Mega-Saläre sozialisiert wurden. Wenn wir die Akzeptanz der Sozialen Marktwirtschaft erhöhen wollen, führt daran aber kein Weg vorbei.