Thomas Rabe & Kasper Rorsted: Harmoniert das neue Adidas-Tandem?

Thomas Rabe

Nach der Berufung von Thomas Rabe zum Aufsichtsratschef prallen in Herzogenaurach unterschiedliche Philosophien aufeinander. Das birgt Konfliktpotential – und die Chance, voneinander zu lernen.  

Zu den spannendsten Personalien dieses Sommers gehörte die Wahl von Thomas Rabe (55) zum Aufsichtsratsvorsitzenden von Adidas: Der Bertelsmann-Chef hat im August wie geplant den 76-jährigen Igor Landau abgelöst, der zuvor 16 Jahre als Chefkontrolleur fungiert hatte. Frischer Wind war damit überfällig, weshalb der Wechsel aus unserer Sicht erstmal eine gute Sache ist.

Bei näherem Hinsehen wirft Rabes Berufung aber Fragen auf. Da wäre zunächst die Tatsache, dass er als CEO eines Konzerns stark eingespannt ist. Aktionäre fürchten deshalb, dass er zu wenig Zeit für ein derart anspruchsvolles Mandat hat. Wir können diese Bedenken nachvollziehen.

Noch spannender ist aus unserer Sicht die Frage, wie werden Rabe und Vorstandschef Kasper Rorsted harmonieren. Denn die beiden entstammen verschiedenen Unternehmenskulturen: Thomas Rabe arbeitet seit zwei Jahrzehnten für die Bertelsmann-Gruppe und zitiert gerne Reinhard Mohn – einen Familienunternehmer, der wie kein Zweiter für langfristiges Denken, partnerschaftliche Führung und soziale Verantwortung steht (also das, was wir heute Stakeholder Value nennen).

Liebling der Börsianer

Kasper Rorsted hat dagegen lange in den USA gearbeitet und sich schon als Henkel-Chef stark am Kapitalmarkt orientiert. Der Däne weiß genau, was Börsianer erwarten und lieferte bisher zuverlässig.

Doch Margen und Renditen sind im Stakeholder-Value-Zeitalter nicht mehr die einzigen Erfolgskriterien. Rorsteds jüngste Fehler nähren jedoch die Befürchtung, dass er sich mit dieser Erkenntnis schwertut: Adidas hatte in der Corona-Krise früh auf Mietmoratorien gesetzt und dadurch heftige Kritik ausgelöst (auch, weil Aktionäre zu vor jahrelang gepämpert worden waren).

Thomas Rabe, der Erbe Reinhard Mohns, ist da theoretisch ein gutes Korrektiv: Wenn es gut läuft, werden die beiden mit offenem Visier diskutieren und voneinander lernen. Wenn es schlecht läuft, dürfte es dagegen zu unproduktiven Scharmützeln und Machtspielchen kommen. Wir sind gespannt.