Top vs. Flop: Mathias Döpfner, Alex Karp und das Springer-Ethos

Mathias Döpfner

Nachdem er ein substantielles Aktienpaket übernommen hat, bekommt Vorstandschef Mathias Döpfner noch mehr Macht bei der Axel Springer AG. Weitgehend unbemerkt hat jedoch ein weiterer Macher an Einfluss gewonnen: Alex Karp ist zu Jahresbeginn vom Aufsichtsrat in den sechsköpfigen Aktionärsausschuss gewechselt, dem auch Friede Springer und Johannes Huth (KKR) angehören.

Der Gründer des US-Softwarekonzerns Palantir, der diese Woche an der Börse debütierte, soll damit nun an oberster Stelle Ratschläge für die digitale Transformation geben. Neben wichtigen Kompetenzen und Erfahrungen bringt er allerdings auch ein besonderes Verständnis vom Unternehmertum mit.

Karp habe „wiederholt erklärt, es sei nicht die Aufgabe von Firmen, über die ethische Vertretbarkeit von Überwachungsprogrammen zu entscheiden“, schrieb jüngst die ZEIT. Das sei Aufgabe der Politik. Für uns klingt das wie: Wir machen alles, was nicht ausdrücklich verboten ist.

Digitale Ethik, verantwortliche Digitalisierung

In zahlreichen Chefetagen klingt das derzeit anders: Unternehmen müssten sich „klare Regeln für eine verantwortliche Digitalisierung geben – vom fairen und transparenten Umgang mit Kundendaten bis zu Regelungen für den ethischen Einsatz von künstlicher Intelligenz“, forderte jüngst Signal-Iduna-Chef Ulrich Leitermann in unserem FutureGoodGovernance-Dialog.

Wir stimmen zu: Da Künstliche Intelligenz (KI) gewaltige Missbrauchsrisiken bis hin zur gezielten Manipulation von Menschen birgt, müssen Unternehmen Verantwortung übernehmen und klare Leitlinien formulieren. Es reicht nicht, den schwarzen Peter dem Gesetzgeber zuzuschieben, der dem technischen Fortschritt ohnehin notorisch hinterherhechelt.

Vorstandschef Mathias Döpfner hat bislang ebenfalls für eine verantwortungsbewusste Digitalisierung plädiert. Damit der technische Fortschritt „den Wertekanon freier Gesellschaften bereichert“, gelte es sicherzustellen, dass die richtigen Ideen Erfolg haben, schrieb er bereits im Jahr 2017.

Jetzt muss sich zeigen, ob diese Maxime noch immer gilt – oder ob Springer, der digitale Vorreiter unter Deutschlands Verlagen, künftig aggressiver vorgeht. Klar ist: Ein fragwürdiger Umgang mit Daten und Algorithmen wäre eine Steilvorlage für jene, die Springer wegen der brachialen BILD- Berichterstattung ohnehin ein Werte-Defizit unterstellen.