Compliance-Krimi bei Bilfinger: Was geschah nach der Ära Koch?

Bilfinger

Bis weit ins Jahr 2015 hinein war die Compliance beim Bilfinger-Konzern eine Katastrophe, aber dann wurde sehr schnell alles besser: Diesen Eindruck konnte man gewinnen, als jüngst bekannt wurde, dass der Bilfinger-Aufsichtsrat um Eckhard Cordes zwölf ehemalige Manager auf 120 Millionen Euro Schadensersatz verklagt hat – drunter die einstigen CEOs Roland Koch (2011 bis 2014) und Herbert Bodner (1999 bis 2011 und 2014/2015). Doch ein aktueller Bericht des „Spiegel“ weckt nun Zweifel an dieser Deutung. Demnach hat Bilfinger 2017 die interne Chefermittlerin Marie M. gefeuert, nachdem sie auf Ungereimtheiten bei einer Tochterfirma im Oman gestoßen und im Zuge ihrer Nachforschungen angeblich sogar vergiftet worden war.

Wichtiger Bilfinger-Deal im Nahen Osten

Nur sechs Tage nach dem Rauswurf im März 2017, berichtet der Spiegel, habe Bilfinger einen Auftrag in dreistelliger Millionenhöhe für die Wartung eines Ölfelds im Oman erhalten. Damit steht die Frage im Raum, ob Bilfinger-Verantwortliche lieber nicht genau wissen wollen, wie es zu dem Deal im Nahen Osten kam – und Marie M. deshalb kaltstellten. Im Rahmen eines Arbeitsgerichtsprozesses wird nun untersucht, ob die Kündigung gerechtfertigt war. Laut Bilfinger hat Marie M. selbst gegen Compliance-Regeln verstoßen, unter anderem als sie externe Detektive einschaltete.