Unionsstreit: Aufsichtsratschefs vs. Seehofer & Söder

Jürgen Heraeus

Nach dem heftigen Konflikt zwischen CDU und CSU wächst die Kritik von Vertretern der Wirtschaft – vor allem an den christsozialen Protagonisten. Das Vorgehen der Parteispitze um Bundesinnenminister Horst Seehofer und Ministerpräsident Markus Söder habe einem „politischen Amoklauf“ geglichen, kritisierte Heraeus-Aufsichtsratschef Jürgen Heraeus im Gespräch mit der „WirtschaftsWoche“. „Der erstaunte Wähler wird sich eher abwenden, als mit Hurra CSU wählen.“

„Wir in Bayern brauchen ein starkes, einiges Europa“

Auch Nikolas Stihl, Vorsitzender des Aufsichtsrats beim gleichnamigen Motorsägenhersteller, fand klare Worte: „Der interne Streit der beiden Unionsparteien war vollkommen überflüssig und schädlich für das Ansehen dieser beiden traditionsreichen Volksparteien.“ Andere Unternehmer fürchten ebenfalls, dass der Eindruck politischer Instabilität entsteht – und dass eine Abkehr vom Multilateralismus den Wirtschaftsstandort schwächt. So sagt Stephan Werhahn, Adenauer-Enkel, Mitinhaber des Neusser Mischkonzerns und Berater der Münchner Investmentgesellschaft General Capital Group: „Wir in Bayern brauchen ein starkes, einiges Europa – nicht nur für uns selbst.“