Managerhaftung: Chefin verliert, Risiko steigt – auch für Aufsichtsräte

Wenn Geschäftsführer und Vorstände Zahlungen veranlassen, obwohl das Unternehmen insolvenzreif ist, müssen sie dafür mit dem Privatvermögen geradestehen – und zwar selbst dann, wenn sie nicht wissentlich handelten und eine Managerhaftpflichtversicherung (D&O) abgeschlossen haben. Das ergibt sich aus einem aktuellen Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf (I-4 U 93/16), über das Medien wie Legal Tribune Online und das Handelsblatt in den vergangenen Tagen berichteten: Die Richter entschieden, dass D&O-Versicherer in solchen Fällen nicht einspringen müssen.

Grundsatzurteil trifft auch Aufsichtsratsmitglieder

In Urteilsfall hatte ein Insolvenzverwalter Haftungsansprüche gegen eine Geschäftsführerin erhoben, weil das Unternehmen trotz Insolvenzreife noch Geld überwiesen hatte. Die Managerin schaltete darauf ihre Versicherung ein, doch diese verweigerte die Zahlung. Zu Recht, wie die Richter nun entschieden: Obwohl nicht sicher sei, ob die Unternehmenslenkerin von der Insolvenzreife wusste, sei das kein D&O-Fall (bei Vorsatz hätte die Versicherung sowieso nicht einspringen müssen). Rechtsanwälte bezeichnen die Entscheidung als „Grundsatzurteil“, dass das persönliche Risiko von Vorständen, Geschäftsführern und „am Ende sogar von Aufsichtsräten“ deutlich erhöht.