Aufsichtsrat der Woche: Bernhard Pellens (ThyssenKrupp)

Bernhard Pellens

In Sachen Rechnungslegung ist er eine wahre Koryphäe: Der Bochumer Wirtschaftsprofessor Bernhard Pellens (62) hat Standardwerke geschrieben und zudem den Schritt aus dem akademischen Elfenbeinturm in die Wirtschaft gewagt – unter anderem als Aufsichtsrat von ThyssenKrupp. Dort ist er nun zum Gremienchef und Nachfolger von Ulrich Lehner aufgerückt, wie vor wenigen Tagen bekannt wurde. In dieser Rolle steht Pellens vor großen Herausforderungen: Der BWL-Professor muss die unterschiedlichen Lager im Aufsichtsrat – angeführt von Cevian-Partner Jens Tischendorf und Ursula Gather von der Krupp-Stiftung – auf einen gemeinsamen Kurs einschwören.

Keitel, Steinebach, Spohr: Top-Manager als Unterstützer

Das ist ihm zwar zunächst gelungen: Der Aufsichtsrat befürwortete am Wochenende einstimmig die Strategie des neuen Vorstandschefs Guido Kerkhoff. Allerdings trauen Unternehmenskenner dem Burgfrieden nicht. So warnt Dieter Fockenbrock vom Handelsblatt, dass Aktionäre „irren“, wenn sie glauben, dass nun Ruhe einkehrt. Es liege auf der Hand, „dass Kerkhoff wie [auch] Pellens Notlösungen sein müssen“. Zudem stellt sich die Frage: Wäre nicht ein Ex-Manager, der die Usancen in der Wirtschaft genauer kennt, die bessere Wahl als Chefkontrolleur? Immerhin hat Pellens erfahrene Leute an seiner Seite – zum Beispiel Ex-Hochtief-Chef Hans-Peter Keitel, den früheren Henkel-Vorstand Lothar Steinebach, Lufthansa-CEO Carsten Spohr und die HSBC-Deutschland-Chefin Carola Gräfin von Schmettow.