Aufsichtsrat der Woche: Wulf Matthias (Wirecard)

Wulf Matthias

Nach den Compliance-Vorwürfen gegen den Dax-Aufsteiger Wirecard, die in der letzten Woche einen Kursrutsch ausgelöst hatten, ist der Aufsichtsrat in die Kritik geraten. Unter den Gremienmitgliedern sei niemand, „der mit einer früheren Vorstandstätigkeit oder einem Aufsichtsratsmandat in einem anderen großen Konzern glänzen könnte“, schrieb der Ex-Handelsblatt-Chefredakteur Bernd Ziesemer in dieser Woche in seiner Capital-Kolumne („Die merkwürdigen Aufseher der Wirecard AG“). Selbst Aufsichtsratschef Wulf Matthias (74), der einst als Vorstand der deutschen Crédit-Suisse-Tochter fungierte, verfüge „über keinerlei Erfahrungen an der Spitze eines großen Konzerns“.

Frauenquote: Matthias holte kompetente Aufsichtsrätinnen

Auch wir hatten vor ziemlich genau einem Jahr die Zusammensetzung des Aufsichtsrats kritisiert – und darauf hingewiesen, dass Wirecard durch renommierte Aufsichtsräte Vertrauen schaffen und „mancher Leerverkäufer-Attacke den Nährboden entziehen“ könnte. Immerhin hat Chefkontrolleur Matthias wenige Monate später mit der KI-Expertin Anastassia Lauterbach und der Venture-Capital-Spezialistin Susana Quintana-Plaza zwei renommierte Aufsichtsrätinnen engagiert – ein großer Fortschritt in Sachen Kompetenz und Diversity (Frauenquote: 50 Prozen). Braucht Wirecard jetzt noch einen großen Namen an der Aufsichtsratsspitze? Corporate-Governance-Experte Christian Strenger hat Wulf Matthias diese Woche im Handelsblatt-Interview als „erfahrenen Banker“ gelobt, der einen ordentlichen Job macht: Schaue man sich den Aufsichtsrat und dessen Aktivitäten an, „sieht alles recht vernünftig aus“, so Strenger.