Aufsichtsrat der Woche: Ernst-Moritz Lipp (Grenke)

Ernst-Moritz Lipp

Unser „Aufsichtsrat der Woche“ ist diesmal kein Neuzugang, sondern ein alter Kämpe: Ernst-Moritz Lipp (69) fungiert seit gut 15 Jahren als Aufsichtsratsvorsitzender des MDax-Unternehmens Grenke, steht aber nun vor seiner wohl größten Herausforderung. Denn es gilt, die schweren Vorwürfe eines Analysehauses namens Viceroy Research zu entkräften, die die Aktie in dieser Woche auf Talfahrt schickten. Das Problem dabei: Auch der sechsköpfige Aufsichtsrat erinnert in Teilen an Wirecard. So ist der Gremienchef schon lange dabei und echte Hochkaräter fehlen. Zwar gibt es einen Prüfungsausschuss, aber er besteht aus Lipp, Unternehmensgründer Wolfgang Grenke sowie Florian Schulte, der bereits seit 2010 im Aufsichtsrat sitzt.

Viel Kompetenz, wenig Unabhängigkeit

Dass lange kein frischer Wind von außen mehr kam, wird es schwieriger machen, Vertrauen aufzubauen. Stehen wir also vor einem neuen Fall Wirecard, wo der schlecht aufgestellte Aufsichtsrat bei uns schon früh die Alarmglocken schrillen ließ? Langsam: Unterm Strich ist das Grenke-Gremium kompetenter und diverser, vor allem dank der früheren Atos-Managerin Ljiljana Mitic, Ex-PwC-Partner Jens Rönnberg und auch Schulte. Und abgesehen von der Aufsichtsratsspitze gab es in den letzten Jahren durchaus Fluktuation; Rönnberg etwa stieß Ende 2019 dazu. Doch besser als Wirecard heißt eben noch lange nicht gut. Dass Dauer-Amtsinhaber Ernst-Moritz Lipp und sein Vize Wolfgang Grenke sowohl den Aufsichtsrat als auch den Prüfungsausschuss dominieren, wirft drängende Fragen nach der Unabhängigkeit auf – und zeigt erneut, dass wir an der Börse höhere Corporate-Governance-Standards brauchen.

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