Compliance bei der Telekom: Nachhilfe für Höttges, Nemat & Co.

Manuela Mackert

In der ZEIT haben wir jüngst einen interessanten Vergleich gelesen: Mit Verboten sei es wie mit Steuern – „sie lassen sich von einem bestimmten Niveau an nicht mehr erhöhen, ohne dass die Leute sich ihnen entziehen“. Irgendwann sinke die Bereitschaft, „jeder Regel Folge zu leisten“. Genau das ist nach unserer Überzeugung das Problem mit den kleinteiligen Compliance-Vorgaben in vielen Unternehmen: Sie bringen weniger, als die Initiatoren hoffen – und wirken womöglich sogar kontraproduktiv, weil sie ein allgemeines Unbehagen gegenüber Regeln auslösen (was wiederum dazu führen kann, dass Mitarbeiter auch die entscheidenden Vorgaben ignorieren).

„Compliance darf kein Bürokratiemonster sein“

Dass diese Gefahr real ist, zeigt eine interne Umfrage der Deutschen Telekom: Von 120.000 befragten Mitarbeitern sind demnach rund 30.000 bereit, die Regeln zu brechen, um Ziele zu erreichen. Statt weitere Vorgaben zu definieren, setzt Compliance-Chefin Manuela Mackert deshalb nun andere Prioritäten: In „Dilemmata-Workshops“, die derzeit auf oberster Führungsebene beginnen und danach ausgeweitet werden, sollen CEO Timotheus Höttges, Technologiechefin Claudia Nemat und die übrigen Vorstände konkrete Fallbeispiele durchspielen – und diskutieren. Compliance müsse „praxisnah“ sein und dürfe nicht als „Bürokratiemonster“ daherkommen, sagt Mackert. Wir sind überzeugt: Wenn solche Workshops gut gemacht sind, bringen sie mehr als jeder wohlformulierte Verhaltenskodex. Leider setzen viele Konzerne bislang lieber auf eng geschnürte Regel-Korsette – frei nach dem Motto „viel hilft viel“.