Vorstände vs. Aufsichtsräte: Eine Replik auf Christoph H. Seibt

Christoph H. Seibt

Der renommierte Gesellschaftsrechtler und Freshfields-Partner Christoph H. Seibt hat sich in der aktuellen Ausgabe des Manager Magazins dem Verhältnis zwischen Vorständen und Aufsichtsräten gewidmet. Zunächst konstatiert er, dass sich „die Machtverhältnisse in deutschen Unternehmen in den vergangenen 20 Jahren deutlich verschoben“ haben, weil die Aufsichtsräte „mächtiger“ geworden sind. Darauf aufbauend gibt Seibt Vorständen, die „mit- und gegenhalten wollen“, mehrere „Handlungsmaximen“ auf den Weg. So sollen sie „ständig den Dialog“ mit Aktionären suchen, weil das helfen kann, ihre Vorstellungen „durchzusetzen“.

Rückfall in dunkelste Zeiten der Deutschland AG?

Mit Verlaub: Für uns klingt das, als sollten sich Manager hinter dem Rücken ihrer Aufsichtsräte mit Aktionären verbünden, um die eigenen Kontrolleure in die Schranken zu weisen. Ähnlich kritisch sehen wir den Rat an CEOs, „Einfluss auf die Nachfolgeplanung für Vorstand und Aufsichtsrat“ zu nehmen. Sollen sich die operativen Chefs ihre Aufsichtsräte also wieder selbst aussuchen – wie zu dunkelsten Zeiten der Deutschland AG? Wir meinen: Die klare Trennung zwischen Unternehmensführung und -überwachung hat sich bewährt. Statt dieses System auszuhöhlen und gegen die Kontrolleure zu arbeiten, sollten Vorstände ihre Aufsichtsräte als wichtige Sparringspartner begreifen. Sonst droht uns ein erheblicher Rückschritt in Sachen Corporate Governance.