Warren macht den Wendelin: Denkt in Dekaden – nicht in Quartalen!

Quartalsprognosen

Es wäre aus heutiger Sicht wohl übertrieben bis vermessen, Wendelin Wiedeking als Corporate-Governance-Vordenker zu bezeichnen. Aber einige von Ihnen werden sich erinnern: Als Porsche-Chef wehrte er sich vehement und ausdauernd dagegen, Quartalsberichte zu veröffentlichen. „In die kurzatmige Betrachtung, die sich an Quartalszielen orientiert, wollen wir erst gar nicht hineinkommen“, polterte er 2001. Ins selbe Horn stößt nun Investoren-Legende Warren Buffett: Gemeinsam mit JP-Morgan-Chase-Chef Jamie Dimon hat der Berkshire-Hathaway-Boss eine Initiative gestartet, die langfristiges Denken und Handeln fördern soll.

Wer Quartalszielen hinterherhechelt, übersieht Wesentliches

Die beiden wollen zwar weiter Quartalsberichte veröffentlichen, verzichten aber seit Längerem darauf, Quartalsprognosen abzugeben – und werden dabei neuerdings vom „Business Roundtable“ unterstützt, einem Zusammenschluss von 200 CEOs börsennotierter Unternehmen. „Wenn es Managern nur noch darum geht, die gesetzten Zahlen zu erreichen, handeln sie oft nicht im langfristigen Interesse des Unternehmens“, sagt Buffett. Berichte ja, Prognosen nein: Das scheint uns ein ausgewogener Kompromiss zwischen den Interessen der Aktionäre und denen des Unternehmens zu sein – und damit ein wichtiger Beitrag zur überfälligen Stärkung der Aktienkultur.