Wolfgang Porsche: Guter Aufsichtsrat mit gefährlicher Schwäche

Wolfgang Porsche

Menschen, die ihn gut kennen, sind voll des Lobes für Wolfgang Porsche. Der Aufsichtsratschef des VW-Mehrheitsaktionärs Porsche SE sei ein anständiger Kerl und – entgegen mancher Unkenrufe – ein hochkompetenter Auto-Experte. Die spektakuläre Verhaftung von Audi-Chef Rupert Stadler in dieser Woche wirft allerdings ein Schlaglicht auf eine Schwäche, die „WoPo“ menschlich sympathisch macht, aber aus unternehmerischer Sicht gefährlich ist: Der 75-Jährige, der auch im Präsidium und im Nominierungsausschuss des VW-Aufsichtsrats sowie im Kontrollgremium von Audi sitzt, hält mit großer Beharrlichkeit an Wegbegleitern fest.

Der Promi-Faktor: Erst misstrauisch, dann nibelungentreu?

Sicher: Dieser Habitus ist bei Reichen und Prominenten nachvollziehbar; viele dürften sich angewöhnt haben, Menschen zunächst misstrauisch und reserviert zu begegnen – stets fürchtend, dass hinter Freundlichkeit die Hoffnung steckt, lukrative Jobs oder Aufträge zu ergattern oder sich im Glanz der Prominenz zu sonnen. Ist aber irgendwann der Bann gebrochen, bleiben sie Vertrauten nach unserer Wahrnehmung umso enger verbunden – wahrscheinlich auch, weil sie oft nicht viele haben. Doch so sympathisch und nachvollziehbar dieser Habitus ist, darf er nicht zulasten der professionellen Distanz als Aufsichtsrat gehen. Und das ist im Fall Porsche/Stadler aus unserer Sicht geschehen. Denn selbst, wenn sich die weiter geltende (!) Unschuldsvermutung bestätigt, wäre es angesichts des Ausmaßes des Diesel-Skandals längst Zeit für ein klares personelles Signal gewesen.