Klimawandel: Die Politik zaudert – die Wirtschaft handelt

Ulrich Wallin

Die globale Erwärmung ist langfristig gesehen zweifellos die größte Herausforderung für die Menschheit. Es drohen gewaltige Umwälzungen von steigenden Meeresspiegeln bis hin zu einer Massenflucht aus Afrika, die die derzeitigen Bewegungen in den Schatten stellt. Doch die politisch Verantwortlichen tun sich schwer im Kampf gegen den Klimawandel – die USA haben unter Donald Trump das Pariser Abkommen gekündigt, und selbst Vorreiter Deutschland kommt nicht vom Fleck: Derzeit kristallisiert sich immer deutlicher heraus, dass wir die 2020er-Ziele deutlich verfehlen.

Divestments: Ulrich Wallin auf den Spuren von Oliver Bäte

Allerdings gibt es einen Lichtblick – und das ist ausgerechnet die Finanzbranche: Banken, Fondshäuser und Versicherungen setzen Klimasünder mit wachsender Vehemenz unter Druck. Und zwar nicht nur durch kritische HV-Reden, sondern auch im Kerngeschäft. So hat Hannover-Rück-Vorstandschef Ulrich Wallin im Juni angekündigt, aus Kohleinvestments auszusteigen – ähnlich wie zuvor bereits die Allianz, die aber noch einen Schritt weiter geht: CEO Oliver Bäte will keine Kohlekraftwerke mehr versichern. Gleichzeitig verweigern immer mehr Banken Kredite für Kohleprojekte. Das treibt die Transformation der Rohstoff- und Energiekonzerne weiter voran. Regelt also der Markt, was die Politik verbockt? Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein.