Andreas Rettig: Der Governance-Vordenker im Profi-Fußball

Andreas Rettig

Man könnte es sich leicht machen und Andreas Rettig als Nostalgiker oder als Lobbyisten abstempeln. Als Lobbyisten, weil der Manager des Zweitligisten FC St. Pauli die Interessen kleiner Vereine vertritt. Und als Nostalgiker, weil er als Wortführer der „50+1“-Befürworter dafür kämpft, dass die deutschen Fußball-Vereine auch in Zukunft die Mehrheit an ihren Profi-Abteilungen halten müssen. Vielen gilt dagegen die Übernahme von Investoren als Königsweg zur Professionalisierung – unter ihnen der Vorstandschef des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge. Doch Vorsicht: Der vermeintliche Nostalgiker Rettig hat gewichtige betriebswirtschaftliche Argumente.

Vereine als Ankeraktionäre – wie bei börsennotierten Familienunternehmen

So hat er diese Woche in einem Interview darauf hingewiesen, dass „deutsche Clubs bei Werbeeinnahmen in Europa führend sind“. Das liege daran, dass sich Sponsoren eher mit ihnen identifizieren könnten, wenn sie als Verein geführt werden. Zudem warnte Rettig, dass Investoren oft von kurzfristigen Interessen getrieben sind – und verwies auf Negativbeispiele wie den AC Mailand. Auch wir meinen: Die Übernahme durch Scheichs, Oligarchen oder Finanzinvestoren birgt erhebliche Risiken. In vielen Fällen dürften Clubs, bei denen der Verein als langfristig orientierter Mehrheitsaktionär fungiert, besser gewappnet sein – vorausgesetzt, die Vereine etablieren professionelle Governance-Strukturen und sorgen für einen diversen und qualifizierten Aufsichtsrat.